.PP am 24. Marz 1988 .PP .na Ich meine in der aristotelischen Suche nach den Ursachen, in dem Vorsatz durch das Ergreifen der "Ursachen" deren Folgen zu besizten und zu beherrschen, eine nicht unwesentliche Gefahr zu erkennen der auch ich in den Lehrjahren meines Lebens verfallen bin. Der Weg welcher zur Wirklichkeit u#ber die archai, mittels der ersten Prinzipien gelangen will, ist ein Kurzweg der am Erleben vorbei fu#hrt und den Lebensinhalt verpasst. Vieles Gute und Wertvolle und Sinnvolle la#sst er abseits liegen. Wer den Ursachen nachgeht gelangt am Ende zur Oberfla#chlichkeit, Seichtigkeit, La#cherlichkeit. Zur Wirklichkeit und zu Wahrheit gibt es keine Kurzwege (shortcuts) u#ber die Ursachen. .PP Die Ursachen bezeichnen die Verha#ltnisse der Begriffe zu einander, und Begriffe wiederum sind Abzu#ge unseres Erlebens. So liegt zwischen dem Erleben und den Ursachen eine zweistufige Kluft. Das Go#ttliche, die Urkraft, the prime mover, die Spitzenstelle in der Hierarchie der Erkenntnisse und der Ursachen welche der Gottheit zugeschoben wird ist eine Deutung der Weltordnung dem menschlichen Versta#ndnis gema#ss. Der Gott der die Welt aus Ursachenkenntnis steuert ist eine Vorstellung wie der Mensch sie von seinesgleichen hat. .PP Von go#ttlichen Einsichten und Versta#ndnissen abgesehen, dient das Ursachenversta#ndnis vor allem zur Kontrolle der Welt. Und diese Kontrolle ist vorwiegend zersto#rerisch. Denn der Mensch kennt alle Ursachen des Todes, aber die Ursachen des Lebens kennt er nicht. .PP So hat das aristotelische Schema von Urgrund und Ursache nicht nur logische sondern auch theologische und letzthin gesellschaftliche Folgen. Ich habe es schon erwa#hnt, dass der Gott der urspru#ngliche Beweger eine Kausalita#tskette darstellt, und dem vergleichbar der denkende, urteilende Mensch erhaben sein soll u#ber die vielen seiner nicht geistig arbeitenden Mitmenschen. Es ist offensichtlich wie der Denker sich mittels seines Denkens u#ber seine Mitmenschen zu erheben sucht. Und letzten Endes ist es ja nur das Mass des Selbstbewusstseins welches den Einzelnen in die Rangordnung der denkenden und nicht denkenden Menschen einstuft. .PP Doch sind diese theologischen und soziologischen Erwa#gungen der eigentlichen Frage eine Nebensache. Die aristotelische Lehre vom Grunde scheitert daran, dass sie einerseits fu#r das was der Mensch tatsa#chlich denkt und fu#hlt und erkennt eine unzula#ngliche Erkla#rung bietet, andererseits aber die Ursachenkette selbst der Pru#fung nicht widersteht. Sie erscheint unbestimmt und phantasievoll, und auf na#here Untersuchung hin weniger ein Abbild der Wirklichkeit erscheint, als ein mehr oder wenig willku#rliches Spiegelbild des urteilenden Geistes. .PP Womit wa#re die aristotelische Hierarchie zu ersetzen?