am 25. November 1989 .PP Ko#nnte es sein, dass der von mir so gepriesene Erkenntnisstandpunkt eine Fata Morgana ist, und die gelobte Erkenntnisweise eine Illusion? Es mag sein dass der angepriesene Standpunkt unerreichbar ist und dass die Suche nach ihm, dies nimmer endende Hinundher zwischen Dogma und Einsicht, nun eben einmal Menschenschicksal ist, damit wir uns, wie mit allen anderen Begrenzungen unseres Daseins abzufinden haben. .PP Die Wissenschaft bedru#ckt uns mit ihren Errungenschaften. Kein Einzelner vermag sie zu meistern. Lange schon ist es her seit ein einziger Mensch in der Lage war das gesammte Wissen seiner Gesellschaft in sich aufzunehmen und widerzuspiegeln. Und auch diese Universalita#t des Wissens war vielleicht auch Illusion. Denn was sich einst als Wissen hervortat war eine gesellschaftlich begru#ndete Begriffsaufstellung welche which may well reflect a degree of functional utility, but which also reflects the social and political interests of the authority that sustains it, invariably limited by the resources of the sponsoring society. As these resources have grown, so also has the scope and the complexity of the knowledge. The limitations of this knowledge have always been apparent in the comparison between what was known and what could be done. Bedru#ckend ist die Last der wissenschaftlichen Errungenschaften, von keinem Einzelnen mehr zu meistern. Aber einsam und furchterregend und vielleicht auch an der Schwelle des Wahnsinns ist die subjektive Ahnung der Begrenzung, der Hinfa#lligkeit des Wissens. Auch hat es mit der Ahnung allein nicht viel an sich. Sie genu#gt nicht. Sie dra#ngt an gebotenem Wissen demonstriert zu werden. So ergibt sich eine dialektische Notwendigkeit: Der praktische Zweck des Wissens ist selbstversta#ndlich die Bewa#ltigung der Natur, der Welt. Der geistige (?seelische) Zweck des Wissens aber ist dem Wissen seine Schranken zu weisen, auszukundschaften wo seine Grenzen sind. Um sich gegen das Wissen zu schu#tzen, zu erhalten. Man erinnere Nietzsches "Wenn es Go#tter ga#be, wie hielte ich es aus kein Gott zu sein, also gibt es keine Go#tter." Wenn es von mir unabha#ngiges Wissen ga#be, wie hielte ich es aus, dies Wissen nicht zu besitzen, also gibt es kein Wissen, oder so etwa. Darum ist erbaulich ist nicht die Vorstellung von dem, was gewusst ist, sondern die Vorstellung von dem was nicht gewusst ist, denn im Nichtgewussten und im Mut dies Nichtwissen zu erkennen, zu bekennen, wie im sokratischen Nichtwissen, liegt unsere Freiheit. .PP Denn insofern das Wissen eine Gesellschaftsta#tigkeit ist, und eine solche scheint es mir in wesentlicher Hinsicht zu sein, so ist das fremde Wissen auch ein Angriff (assault) auf die Integrita#t des Einzelnen, wogegen er sich wehrt indem er das Fremde in sein eigenes Gemu#t einzuverleiben (incorporate) versucht. Dieses Aneignen geschieht unter einem grossen Aufwand von Kraft und manchmal Leiden, und ist dennoch am Ende immer unvollsta#ndig, und wenn der Mensch stirbt, muss er auch hier seine Unzula#nglichkeit, sein Versagen erkennen und annehmen (akzeptieren) und seinen Anspruch auf das Wissen wie auf das Leben selbst, aufgeben.