/* Dies ganze Kapitel ist inzwischen in 26.02 eingef}gt worden, und steht hier nur aus archivalen Erw{gungen. */ .PP Fru#h am Morgen wurde Dorothea vom Schellen eines Telephons geweckt. Sie hatte getra#umt, und der Traum war ihr entgangen, nur auf sein Ende besann sie sich noch. Sie lag in einer Feuerwehrzentrale deren Maskottchen sie geworden war. Die ganze Mannschaft hatte sie in dieser Nacht geliebt. Das Klingeln welches sie geweckt, hatte die Mannschaften zu einem grossen Brand bestellt. Noch ho#rte sie im Gemu#t das Echo der Rufe "Linnaeusstrasse 15", "Linnaeusstrasse 15," und ihr Herz pochte vor Angst, denn sie wusste, dass die Mannschaft nicht zeitig genug das Haus wu#rde erreichen ko#nnen, um ihn zu retten, und alles war ihre Schuld, weil sie, allen Bestimmungen zuwider, die Nacht hier verbracht hatte. .PP Als sie aufwachte, spu#rte sie eine ungewohnte Feuchtigkeit auf ihrem Kissen. Sie hatte im Schlaf geweint, und als sie dessen gewahr wurde, kamen ihr die Tra#nen aufs neue. Zugleich erinnerte sie jetzt, dass Heller ihr das Weinen verboten hatte. Sie hatte Angst vor ihm und versuchte ihr Schluchzen zu unterdru#cken. Da sie dies nicht vermochte verkroch sie sich in dem Bettzeug, zog sich das Laken und die Steppdecke u#ber den Kopf und fuhr fort zu weinen. .PP Heller war la#ngst auf. Schon vo#llig angekleidet stand er in seiner kleinen Ku#che und kochte sich Kaffee. Der Telephonanruf hatte ihm gegolten. Wegen der Krankheit eines Kollegen bat man ihn sobald als mo#glich in seiner Klinik zu erscheinen und den Dienst anzutreten. Er war auch eben so froh einen Vorwand zu haben sich schleunig zu entfernen, denn die Ausschweifungen der vergangenen Nacht hinterliessen bei ihm eine Peinlichkeit, welche nur durch Wiederholung behoben zu werden vermochte. Dazu hatte er jetzt keine Zeit, und recht eigentlich auch keine Lust. Dass er Dorothea je wieder so leidenschaftlich wu#rde begehren ko#nnen wie am vergangenen Tag war ausgeschlossen. Aber wer weiss, was er dereinst wu#rde begehren, oder dereinst wu#rde beno#tigen mo#gen. In der Not frisst der Teufel Fliegen, sagte er sich. Nun, eine Fliege war Dorothea nicht. Sie war ein gewo#hnliches Weib, doch nichts mehr und nichts weniger. Alle Weiber sind gewo#hnlich, sagte sich Heller, und der Irrtum liegt in der Vorstellung, dass die eine ho#her steht als die andere, denn in der Horizontale sind alle gleich. Das war eine Losung die ihm schon seit Jahren eingeleuchtet hatte, und die er unter seinen ma#nnlichen Kollegen mit elan zu wiederholen pflegte. Jetzt verwunderte er sich nur, weshalb er sich so lange von dieser Go#ttin der Geschenke hatte beto#ren lassen, und er war es zufrieden ihr zuna#chst jedenfalls ein unzeremonio#ses Lebewohl zu sagen. .PP Das geda#mpfte Schluchzen welches durch das Bettzeug drang hatte er vernommen, entschied aber es zu u#berho#ren, denn da es nicht u#berma#ssig laut war, sto#rte es ihn wahrhaftig nicht. Es war ja der La#rm des Heulens, nicht die Tra#nen, welche er nicht ertragen konnte. Ausserden betrachtete er Dorotheas Schluchzen als eine Deckung welche ihm einen unbehelligten Abgang ermo#glichen wu#rde. So lange wie das Ma#dchen weinte wu#rde es ihn nicht zur Rede stellen ko#nnen. Nichts wa#re ihm jetzt weniger gelegen als eine Auseinandersetzung mit ihr. Er wusste auch nicht genau, in welcher Weise oder ob er u#berhaupt mit Dorothea sprechen wollte, oder welche Erkla#rungen fu#r sein Betragen in der vergangenen Nacht er ihr schuldig war. Ob er sich u#berhaupt eine Zukunft mit ihr wu#nschte, oder welcher Art diese sein sollte, wusste er auch nicht. Er hatte die Disziplin seiner a#rztlichen Ta#tigkeit dringend beno#tigt um sich abzulenken, und das Klingeln des Telephons war ihm entsprechend willkommen gewesen. .PP Dorothea blieb liegen, den Kopf unter dem Bettzeug verborgen. Ab und zu, wenn die Tra#nen oder die verbrauchte Luft unter der Decke sie zum Ersticken brachten, schob sie behutsam ihren Kopf ans Licht, und horchte nach der Stimme ihres Herrn oder nach seinen Tritten. In der Linnaeus Strasse war sie immer als die Erste auf. Hier aber verblieb sie unter dem Schutz der Tu#cher, denn sie scha#mte sich ihrer Nacktheit besonders vor dem fremden Mann der sie so vo#llig zu besitzen beanspruchte. Sie wu#nschte die Tu#r wa#re zu, oder dass jemand kommen wu#rde die Tu#r zu schliessen, damit sie Gelegenheit haben mo#chte sich gesondert anzukleiden. Aber um selbst die Tu#r zuzumachen, mu#sste sie aufstehen und unbekleidet durch das Zimmer gehen, und sie stellte sich vor, dass er ihr in diesem Augenblick entgegen ka#me, und dass die Blo#sse ihres Ko#rpers ihn dann zu neuen Bela#stigungen reizte. Weiter dachte sie nicht, nur fu#hlte sie sich unter diesen Laken und Decken um ein Geringes sicherer. Im u#brigen war sie u#berzeugt davon, dass es nur eine Zeitfrage war eh er wieder kommen wu#rde, vielleicht mit seiner Peitsche, um sie aufs neue zu zu#chtigen und weit a#rger als am Abend zuvor, dann seinen Anspruch auf ihren Ko#rper behauptend in seiner Ma#nnlichkeit auf ihre Kosten zu triumphieren. Hatte er ihr doch gesagt, "Ich mache mit dir was ich will." War sie nicht vo#llig in seiner Macht? Und wa#hrend gestern abend, der Rausch des Weines und der Freiheit ihr das Elend ihrer Situation verdeckt hatten, so fu#hlte sie sich jetzt erba#rmlich, hilf und hoffnungslos. In ihrem Gemu#t widerhallte sein Lob ihrer Erscheinung, "Die klassische Gestalt der Sklavin," hatte er von ihr zu irgendjemandem gesagt, zu wem wusste sie nicht mehr. Und sein Ausspruch stimmte, denn durch das, was er ihr getan, was sie sich hatte gefallen lassen mu#ssen, war es bewiesen, dass sie wirklich seine Sklavin war, und dass in diesem Moment und an diesem Ort ihr Leben tatsa#chlich darin aufging, ihm zu geho#ren, von ihm regiert zu sein, und von ihm genossen zu werden. Was blieb ihr u#brig denn sich als sein Eigentum zu betrachten. In dieser Lage schien es ihr unvermeidlich, ihm untergeben zu sein. Sie erkannte ihre Ho#rigkeit als naturgegeben, und befand sie in Ordnung. Hatte sie nicht durch ihr gestriges Betragen die Strafe verdient? Mit diesen U#berlegungen bereitete sie sich auf Hellers Eintritt vor. Nachdem sie eine Weile demu#tig kauernd in gekru#mmter Seitenstellung gelegen hatte, gewahrte sie, dass sie sogar auf Heller wartete. Sie entdeckte bei sich Ungeduld, weil er nicht erschien, und fand auch diese Ungeduld geho#rig. Sie fing an sich zu wu#nschen, dass er doch endlich ka#me, seine Gewalt u#ber sie auszuu#ben, scha#mte sich dieses Wunsches, und entschuldigte sich mit der stillen Erkla#rung, doch nur um diesem Warten ein Ende zu machen. .PP Indessen war Heller mit seinem Fru#stu#ck fertig, und war bereit zu gehen. Dorotheas Anwesenheit in seiner Wohnung war ihm jetzt unangenehm. Er stellte sich vor, dass, wenn sie verheiratet wa#ren, er sie jeden Morgen und jeden Abend hier vorfinden wu#rde, und dass dann ihre dauernde Anwesenheit ihn in seinem Kommen und Gehen unertra#glich einschra#nken wu#rde. Der Fortgang jetzt wu#rde ihn jedenfalls voru#bergehend befreien. Dass er nicht die Gelegenheit hatte, Dorothea zu entlassen, oder gar auf den Weg zu bringen, tat ihm keineswegs leid. Es fiel ihm aber ein, dass, falls sie nicht genug Geld fu#r die Untergrundbahn bei sich hatte, er sie mo#glicher Weise noch bei seiner Ru#ckkehr hier vorfinden mo#chte. Fu#r die Hinfahrt gestern abend war ja er aufgekommen. "Hast Du genug Geld fu#r die Stadtbahn?" rief er durch die gera#umige Wohnung. Dorothea antwortete nicht, und das war Heller ebenso lieb, denn insofern sie ihm nicht antwortete, fu#hlte er sich jeglicher Verpflichtung zu weiterer Konversation enthoben. "Ich lasse dir einen Dollar auf dem Ku#chentisch," rief er in der Richtung der offenen Schlafzimmertu#r, indem er den Geldschein, wie ein Trinkgeld, neben seinen Teller legte. Er fu#gte hinzu, "Wenns mehr gekostet hat, schick mir 'ne Rechnung." .PP Dorothea hatte seine Rufe nicht verstanden, und deutete diese als Ouvertu#re zu seinem Auftritt. Ob er wohl mit oder ohne Reitpeitsche erscheinen wu#rde, dachte sie, und scha#mte sich der vorweggenommenen Entta#uschung von ihm nicht ko#rperlich gezu#chtigt zu werden. Bei diesen Gefu#hlen verkroch sie sich noch tiefer unter die Decken. .PP Heller aber blieb vorsa#tzlich dem Schlafzimmer fern. Er wandte sich zum Gehen. Eh er die Tu#r erreichte, fiel ihm noch etwas anderes ein. Er ging in die Ku#che zuru#ck und nahm aus einem Schubfach einen zweiten Schlu#ssel zur Wohnung. Diesen legte er auf den Dollarschein. Weil er nicht wusste, ob Dorothea ihn ho#ren wu#rde, und weil er sich jetzt nicht weiter mit ihr einlassen wollte, schrieb er auf einen Zettel, "Du bist angestellt. Hier ist dein Lohn. Behalt den Schlu#ssel fu#rs na#chste Mal." Nichts weiter. Dann ging er rasch zur Tu#r, und zog sie hinter sich zu. .PP Dorothea lag noch immer unter dem Bettzeug verkrochen. Sie ho#rte wie eine Tu#r ins Schloss fiel. In welches Zimmer mochte er gegangen sein? Sie horchte auf seine Schritte. Als eine Weile verging, ohne dass sie seine Stimme oder Fusstritte vernahm, kam Dorothea der Gedanke, dass Heller mo#glicherweise fortgegangen sei. Sie schob ihren Kopf ins Freie, und erblickte auf dem Frisiertisch eine elektrische Uhr welche sie am Abend zuvor u#bersehen hatte. Mit leuchtend blauen Ziffern bekundete das kleine Gera#t die Zeit. Es war fu#nf Minuten nach sechs. Sie schloss die Augen. Um acht Uhr dreissig erwartete man sie in der Bank. Sie brauchte sich nicht zu beeilen. Als sie die Augen wieder o#ffnete, blickte sie aufwa#rts in die grelle Deckenlampe, welche Heller hatte brennen lassen. Sie u#berlegte die praktischen Hindernisse welche ihrem pu#nktlichen Erscheinen am Arbeitsort im Wege standen. Im Liegen vermochte sie u#berhaupt nicht zu denken, aber sie war unsicher, wie sie es mit dem Aufstehen anstellen sollte, denn ihr fehlte ein Morgenrock, und obgleich sie jetzt scheinbar allein in dieser Eigentumswohnung war, so widerstrebte es ihr trotzdem sich nackend durch diese fremden Zimmer zu bewegen. Sie ergriff also die Decke unter welcher sie lag, ein kunstseidenes Stu#ck leicht mit daunenartigem Tu#ll gefu#llt, und wickelte diese, wie einen Sari, um sich. Doch als sie sich besann, dass Heller in mitten der vergangenen Nacht mit eben diesem Stu#ck ihre Blo#sse zugedeckt hatte, und dass sie darunter mit ihm geschlafen hatte, ging sie zum Wa#scheschrank und wechselte die Decke gegen ein sauberes Laken aus. .PP Sie trat ins Wohnzimmer. Das blassro#tliche Grau der Morgenda#mmerung lag auf Sofa und Sesseln, und warf eine fahle Glut auf das bunte Muster des Perserteppiches. Erleichtert, aber auch entta#uscht, und mit dem Gefu#hl betrogen worden zu sein, stellte Dorothea fest, dass Heller nicht hier war. Auch die Ku#che war leer. In ihrem weissen Gewand fegte sie durch die anderen Zimmer und fand ihn dort auch nicht. Ins Wohnzimmer zuru#ckgekehrt, trat sie an das grosse Fenster und blickte weit hinab auf den gefrorenen Fluss, dessen schneebedeckte Weiten im ro#tlichen Schein der aufgehenden Sonne ergla#nzten. Es kam ihr in den Sinn, dass Heller mo#glicherweise zuru#ckehren mo#chte, um ein Vergessenes nachzuholen, etwa um sich auf neue an ihrem Leib zu ergo#tzen. Sie trat entschlossen zur Etagentu#r und schob den Sicherheitsbolzen in seine Nute um sich nun entgu#ltig vor ihm zu schu#tzen. .PP Nun erst fu#hlte sie sich vor ihm sicher, und jetzt begann sie ihr Hiersein zu reuen. Sie gestand es sich, dass Heller sie ja unter Druck zu einer Intimita#t geno#tigt, von der sie sich letztes Jahr geschworen hatte, dass sie nie zustande kommen sollte. Jetzt scha#mte sie sich ihrer Schwa#che. Sie dachte an Do#hring, wie wohl er ihre Abwesenheit u#berstanden haben mochte. Sie hatte ihm ja ausdru#cklich bestellt, nicht auf sie zu warten, aber sie kannte ihn zu gut um nicht zu ahnen dass er es trotzdem getan hatte. Wu#rde sie ihm was geschehen war jemals erkla#ren ko#nnen? Sie wu#rde ihn antelephonieren mu#ssen. Aber jetzt noch nicht. .PP Es bedurfte wiederholter U#berlegungen sich zu versichern, dass sie sich in Hellers Eigentumswohnung allein befand. Aus seinem Betragen hatte sie entnommen, dass es ihm durchaus nicht unangenehm war sich schnell und fru#h von ihr trennen zu mu#ssen, und ihrerseits empfand sie es schliesslich als Erleichterung von ihm befreit zu sein. Zugleich fu#hlte sie sich von ihm verlassen und verraten. A#rger und Zorn stiegen in ihr auf, darum dass er, nachdem er sie ausgebeutet, ohne ein Wort des Dankes, des Bedauerns oder der Anerkennung, sich fortgemacht hatte. Das Sofa, auf welchem Heller sie gestern abend zum ersten Mal umarmt hatte, ein Mahnmal der fu#rchterlichen Geschehnisse der Nacht, stand unverru#ckt an seinem Ort. Wie Bruchstu#cke, kaum zusammenha#ngend, tauchten jetzt in ihrem Bewusstsein die Einzelheiten des Traumes aus dem sie erwacht war wieder auf. Auch Erinnerungen an die u#berstandene Nacht zogen ihr jetzt wieder durchs Gemu#t, und wenn sie diese einzeln bedachte, dann vermochte sie nicht zu entscheiden welche dem Bereich der Wirklichkeit und welche dem der Tra#ume angeho#rten. .PP Sie versuchte sich zu besinnen, gewahrte aber sogleich, da~ sie sich nicht besinnen konnte, oder war es, weil sie sich nicht besinnen wollte. War was ihr die Phantasie jetzt vorf}hrte tats{chlich Erinnerung oder war es Traum, war es Schrecken- oder Wunschbild? Die Ahnung, dass es jedenfalls zum Teil Wunschbild sein mochte, besch{mte sie unm{ssig. Aber was sie getan hatte, und was ihr geschehn, war alles zu verr}ckt, und sie verteidigte sich mit der Feststellung, da~ es ihr unm|glich war, es zu begreifen. .PP Was sie erinnerte, wollte sie nun nicht wahr haben. Die Tatsache, dass Heller sie beim Arm ergriffen und in die Untergrundbahn geschoben und gezogen hatte, war ihr klar im Bewusstsein, auch dass sie ihm halb willig, halb unwillig in diese Eigentumswohnung gefolgt war erinnerte sie. Sie besann sich mit Heller bei einem Glase Wein auf dem Sofa gesessen zu haben, und von dort aus Do#hring angerufen zu haben, und sie erinnerte sich Do#hrings unverhohlener Liebeserkla#rung. Dessen was hinterher geschehen war scha#mte sie sich jetzt dermassen, dass sie versuchte es mit Vergessenheit zu verhu#llen. Aber es gelang ihr nicht. Wenn sie es doch nur ungeschehen machen ko#nnte. Es war nicht geho#rig gewesen. Was Heller mit ihr angestellt hatte, oder was sie ihm erlaubt hatte, erinnerte sie nicht mehr genau. Die Einzelheiten waren in ihrem Geda#chtnis verschwommen, wahrscheinlich wegen des Weines von welchem sie auf Hellers Zureden weit mehr getrunken hatte, als sie vertragen konnte. Sie erinnerte sich, dass sie sich in Hellers Gegenwart und mit seiner Ermutigung entkleidet hatte, und dass sie sich dann ins Bett gelegt hatte, und er hatte sich zu ihr gelegt und hatte seine Manneslust an ihr befriedigt, ohne dass sie ihm mit vergleichbarem Entzu#cken entgegengekommen wa#re. K|nnte sie vor Gericht beschw|ren, da~ sie es wirklich nicht gewollt h{tte?oDas blaue Kleid, mit den sapphirfarbenen Kn|pfen, hatte sie es sich nicht angelegt in der geheimen Hoffnung, da~ er es ihr abstreifen m|chte? So lagen die Tatsachen. .PP Sie musste gerecht sein. Vielleicht hatte sie es sogar darauf abgesehen. Vergewaltigt hatte Heller sie nicht. Alles war mit ihrer Zustimmung, mit ihrem Einversta#ndnis geschehen. Die Intimita#t der Beziehung aber war nicht von ihr, sondern war von Heller eingeleitet worden, und sie hatte ihn gewa#hren lassen. Ja warum eigentlich? Der Freiheit halber, so sehr es sie auch schmerzte, sich dies jetzt gestehen zu m}ssen, weil sie meinte dass sie nur durch eine Beziehung zu einem anderen Mann von Do#hring befreit sein wu#rde. Diesen Wunsch, dem Banne Do#hrings zu entfliehen, meinte sie jetzt als einen Irrtum zu erkennen, den gro#ssten Irrtum vielleicht, den sie je in ihrem Leben begangen hatte. .PP Sie war noch immer in das Bettlaken gehu#llt, und ging jetzt zuru#ck in das Schlafzimmer um ihr Kleid zu untersuchen. Ganz so geschunden, wie sie den Ereignissen der Nacht zufolge vermutet hatte, war es doch nicht. In ihrem Schrank in der Bank hingen verschiedene andere Kostu#me in welche sie sich wu#rde umziehen ko#nnen, und allenfalls wa#re es ja auf der Strasse und in der Untergrundbahn von ihrem Wintermantel bedeckt, welcher unversehrt im Wandschrank hing. Aber sie Sorge um ihre Kleidung vermochte sie nicht von ihrem eigentlichen Kummer abzulenken. Indem die Sonne langsam den Winterhimmel hinanstieg, wuchs Dorotheas Widerwillen gegen die Weise in welcher Heller mit ihr verfahren war. Er hatte sie absichtlich zu dem ungewohnten Wein gezwungen um ihren Willen durch den Rausch zu la#hmen und sie ihm willfa#hrig zu machen. Mittels einer Art Hypnose hatte er sie ihres Willens beraubt. Dann mit Peitschendrohungen an welche sie zwar nur halb geglaubt, und welche ihr nicht v|llig unwillkommen gewesen waren, hatte er sie gezwungen sich vor seinen Augen zu entkleiden, hatte ihre Bru#ste gekniffen und ihr Gesa#ss geschlagen, hatte sie mit der Frauenfreiheitsbewegung verspottet, und hatte sie arbeitsfa#hig zur Hurerei erkla#rt, hatte sie auf die Matraze geschleudert wo er an ihr seine Gelu#ste gestillt hatte. .PP Die Ereignisse dieser Nacht, dessen war Dorothea sich bewusst, waren Ursache Heller bei den Beho#rden der Entfu#hrung und der Notzu#chtigung zu verklagen. Eine solche Beschwerde, wu#rde, wenn man ihn schuldig spra#che, eine schwere Gefa#ngnisstrafe auf ihn zu ziehen, und wu#rde, selbst wenn man ihn am Ende als unschuldig entliess, zumindesten seine berufliche Laufbahn ruinieren. Damit wu#rde sie gewissermassen ihr eigenes Werk zersto#ren. Wollte sie das wirklich? Voru#bergehend erwog sie gerichtliche Massnahmen anzustrengen. Sie malte sich die Folgen ihrer Klage aus. Ihr schwebte das Bild ihres ersten Mannes vor, fu#r dessen Unglu#ck und Selbstmord sie sich verantwortlich fu#hlte. Sie dachte an Do#hring, und wieviel unverdientes Leid sie ihm zugefu#gt hatte. Nein, an dem Unglu#ck eines dritten Mannes wollte sie keine Schuld tragen. Dann scha#mte sie sich, dergleichen Rache auch nur in Erwa#gung gezogen zu haben. Sie hatte es ja la#ngst erkannt, und unter den Freundinnen oft genug geru#gt, wie sich die Frauenfreiheitsbewegung dergleichen unwahrhaftiger Mano#ver bediente. Zwar war die Anregung zu dieser Liebesnacht, wenn man sie als solche bezeichnen konnte, nicht von ihr aus gegangen sondern von Heller, aber sie hatte zugestimmt, hatte eingewilligt, und wenn nicht ausdru#cklich, dann durch ihr Schweigen. "Qui tacet consentire videtur." Mit diesem Epigramm hatte Heller sie herausgefordert. Durch ihr Schweigen hatte sie ihm ihre Zustimmung erteilt. Das war die Wahrheit, und dabei sollte es bleiben. .PP Sie o#ffnete eine Tu#r von welcher sie irrtu#mlicher Weise gemeint hatte, dass diese ins Badezimmer fu#hrte. Sie befand sich statt dessen in einer gera#umigen leeren Kammer, welche mit nichts als einem hohen Spiegel ausgestattet war der sich vom Fussboden fast bis zur Decke erstreckte. In dem weissen Bettlaken, das sie jetzt umhu#llte erkannte sie sich kaum wieder. Sie blickte in ihr Gesicht, und meinte zu erkennen, dass ihre Zu#ge von den Strapazen der vergangenen Nacht weit weniger mitgenommen waren als sie es befu#rchtet hatte. Der weisse Sari, oder war es eine Toga, stand ihr wie einer jungfra#ulichen Priesterin, eine Vorstellung die sie zu ironischem La#cheln bewegte. Sie mutmasste, dass sie sich in dem Hauptschlafzimmer dieser eigentlich u#berma#ssig luxurio#sen Eigentumswohnung befand, einem Raum welchen die Amerikaner als Master Bedroom bezeichnen. Anscheinend hatte Heller dies Zimmer noch nicht in Gebrauch genommen, und liess es vorerst zubereiten, in der Absicht es in baldiger Zukunft mit ihr als seiner Frau zu beziehen. "Nicht mein Bedroom," sagte sie laut, "und nicht mein Master," und mit dieser Erkla#rung wendete sie sich zu dem Badezimmer dessen Eingang sie nun entdeckt hatte. .PP Dorothea blickte auf die Uhr und sah dass sie noch genu#gend Zeit habe