The Good Son, der Gute Sohn, ein Roman den Helmut Frielinghaus mir empohlen hat. Die Sprache, das ungepflegte Englisch, steigert sich nur selten zur Melodie und enttaeuscht mich. Doch ist das Buch reich an Inhalt. Dem guten Sohn steht der Schlechte Vater gegenueber, der sich vor dem Gestank von des Vaters Zigarre erbricht. Ein Ekel, der feindselige Nachbar heiszt ihn Klapperschlange. Die Stelle des Vaters wird zum Teil von Wade, des Vaters Chauffeur vertreten. Der Sohn wird Kampfflieger, wird abgeschossen, wird begraben, wird verraten, und aufersteht aus einer Grube. Er macht alles wieder gut. Der Sohn der den Vater erloest. (The son who becomes the redeemer of the father.) Der Vater kauft die Gunst des Sohnes mit seinem Reichtum. Der Sohn versteigert seine Ehe zu einem hohen Preise. Er "erloest" seinen Vater in dem er die Ehe mit einem "guten", dem Vater gefaelligen Maedchen eingeht. Der Widder ist die veraeuszerte Malignitaet, Boshaftigkeit des Vaters, Der das Teuflische im Vater wird in den Widder vertrieben. Das Tier traegt die Schuld der Menschen. Dem Hochzeitsfest wird der Widder geopfert; es wird also zum Opferfest. .PP Die Literatur als oikeiosis, als Beheimatung im Geiste. Auch dieser Autor schaft sich eine Heimat. Es ist aber eine Heimat in der gutbuergerlichen amerikanischen Gesellschaft. .PP Die Werte die hier vertreten und geaeuszert werden sind amerikanische Werte. Der Reichtum, das Geld ist alles. Das Vermaechtnis ist in erster Linie der Reichtum. .PP Theodizee; die Rechtfertigung, die Wiedergutmachung. .PP Chip - Chip off the old block Die Maennergestalten aehneln sich. DeCroix oder wie immer er heiszt ist von Wade Cannon, oder Moore, oder dem anderen Bauerngehilfen, dem einaeugigen, kaum zu unterscheiden. Nur die gesellschaftliche Stellung, der Reichtum macht sie unterschiedlich. .PP Am sympathischsten is mir Jean, die Tochter des Autoverkaufsunternehmers welche die Gehilfin des verkrueppelten Altwarenhaenlders DeCroix wird. Sehr eindrucksvoll ist mir der luesterne Neid der Mannschaft des kleinen Ohiodorfes auf Jeans vermeintliches Verhaeltnis zu DeCroix, und ihre Treue zum ihm angesichts der Drohungen auf sein Haus und sein Leben. .PP Abgesehen von DeCroix und Jean sind die einzigen Beziehungen zwischen Menschen in diesem Roman geschlechtliche. Die schwachen Bande der Freundschaft zwischen Wade Cannon und Chip Mackinnon, zwischen Jean und Annie Cooper werden kaum angedeutet, beschrieben werden sie nicht. .PP Die Frauen - sind romantische Ideale. Auch in der Armut und Abhaengigkeit. .PP Die Menschen sind undurchsichtig (opaque). Sie tragen stilisierte seelische Physiognomien. Sie erzaehlen nicht was sich in ihnen abspielt. Die Verwandlungen ihrer Gemueter werden nir beschrieben; man erfaehrt sie durch Offenbarung ihrer Handlungsweisen. Die Juenglingserlebnisse Chip Mackinnons die Begegnung mit dem Wilddieb, der Flugzeugabsturz, das Begraebnis in der Hoehle, die Gefangenschaft, die Begegnung mit der zukuenftigen Braut, alle lassen sie ihn unveraendert. Man merkt ihn nichts an. Sie verwandeln ihn nicht. Jedenfalls ist irgend Verwandlung nicht augenscheinlich. Die Geschtszuege von Masken verdeckt, haeszlichen von Moore oder Pop Mackinnon, liebenswuerdigen von Chip's Mutter, seiner Braut, oder den Cooperschen Maedchen. Ihnen allen scheint eine seelische Passivitaet anzuhangen. Sie handeln ihrem Wesen, ihren Impulsen entsprechend. .PP Die Menschen denken wenig an einander, sorgen kaum fuer einander, leben in geistig seelischer Anomie, das taegliche Leben von der Gewohnheit gestaltet. Scheinen einander gleichgueltig; .PP Leidenschaft zwar, doch wenig Treue, und wenig Liebe, und keine Ehrfurcht. Erinnert an Knut Hamsun. Schon die Verteilung der Erzaehler bewirkt eine Lockerung der Gefuehle, der Bindung an den Stoff, der Verpflichtung ihm gegenueber. .PP Entidealisierung also; nur dasz ich bestrebt bin in meinen Geschichten das Ideal welches sich als hinfaellig erweist zu schildern, und somit eine dialektische Spannung zu stiften, welche dieses Buch entbehrt. Die Brutalitaet der Menschen, im eigentlichen Sinne, die Tieraehnlichkeit also. Die Moral der Naturbeschreibung ist dasz der Mensch dem Tier seinen Hunger, seine Kaelte, und vor allem seine geschlechtlichen Begierden nachempfinden kann. .PP Die ausgedrueckte Sinnlichkeit des heiszen Bades, die Beschreibungen der Gefuehle von Waerme, Kaelte, geschlechtlicher Beruehrung verschiedenen Grades, welchen Wert, bezw. Unwert haben sie. Was ist die wuenschenswerte, was die erlaubte Grenze der Darstellung des Sinnlichen. .PP Ein sehr amerikanisches, egalitaerisches Buch. Pop Mackinnon unterscheidet sich von Moore und Wade durch nichts als seinen Reichtum. Beeindruckend ist das Buch wegen seiner Unverbluemtheit, seiner Aufrichtigkeit.