Das bezeichnedste an Nietzsches spaetem groeszenwahnsinnigem Spaetwerk "Ecce Homo" ist die Zuegellosigkeit, the lack of inhibition, die es bezeugt. Ich denke dies ist zur Deutung gleichzeitiger sowohl als auch fruezeitigerer Werke Nietzsches von Nutzen, insofern als sein Angriff auf das Christentum, auf die Moral einen aehnlichen Mangel an Zurueckhaltung beweisen. Man mag also konstatieren, dasz ein vergleichbarer Vorgang auch schon frueher am Wirken war. Ich meine nicht dasz Nietzsches Gedanken durch die Tatsache seiner Geisteskrankheit "entschuldigt" werden sollten, denn ich bin gar nicht ueberzeugt, dasz man sie ihm jemals haette zur Last legen sollen, aber wennglich nicht entschuldigt, so werden sie doch durch Nietzsches Krankheit erklaert. Und diese Krankhaftigkeit seines Schreibens gibt auch zugleich einen Einblick in die Gueltigkeit und die Begrenzungen des Gedachten ueberhaupt, als Erzeugnis eines Gemuets, krankhaft oder gesund, wie es nun sein mag. Es ermoeglicht, mit anderen Worten, eine (neue) Psychologie des Denkens.