Dear Marion, Welcome back from the Farm! Here it rained all weekend. I hope your life was sunnier. Thank you very much for your pointers regarding Fidelity. Wisely or otherwise, I plan to postpone my homework until I am in Belmont where I have a broadband Internet connection. With the telephone modem in Konnarock, transmissions are excruciatingly slow. My weekend surprise was the discovery that Ronald Reagan, the local entrepreneur who asked permission to salvage the trees that had been uprooted by the tornado last winter, had surreptitiously and without my permission made chainsaw incisions circumferentially through the bark of perhaps fifteen very tall wild cherry trees, which are now dying, and which I need to have felled before they topple - possibly onto the roof of the house. As of this evening I haven't found anyone, and I prefer not to have further dealings with Ronnie if I can avoid him. The affair is a test of my sense of humor. I think I'll pass. In sorting through Margrit's voluminous accumulation of papers I found a 116 page computer printout of notes which I made on the occasion of revisiting Germany in 1984. To my embarrassment, I can't find the text files on my computer, although I've tried to be careful to preserve in text files everything that I write. My thoughts and my style 26 years ago is of some interest to me. As soon as I send this e-mail, I'll continue scanning the old typescript into PDF files, which I have already started to transcribe. I will append the opening paragraphs for your amusement, then resume playing Narcissus and revisiting my past. Jochen ================================== _ Erholungsreise oder Pilgerfahrt Diese Blaetter enthalten Notizen und Erinnerungen einer Reise nach Deutschland welche ich im Fruehsommer 1984, in der Gesellschaft meiner Frau Margaret und meines siebenzwanzig jaehrigen Sohnes Klemens, unternahm. Da im Laufe der Monate und Jahre Reisen dieser Art von tausenden wenn nicht von millionen Menschen begangen werden, muss ich als erstes Rechenschaft ablegen warum ich das was ich erlebte als beschreibenswert, und die Aufzeichnungen in denen ich es festzuhalten versuche als lesenswert betrachte. Die einzige Antwort die ich auf diese Frage zu geben weiss, ist, dass ich schreibe, weil es mir Freude macht, und dass ich, wenn ich das Geschriebene zuweilen lese, eine Befriedigung empfinde, als wenn ich mir eine geistige Unterkunft gezimmert haette, so bescheiden und unvollkommen sie auch sein mag, ein Zuhause, ein Eigentum, wenngleich nur im Reich der Gedanken. Was nun den Wert des Reisen anlangt, so besteht er nicht, wie allgemein behauptet wird, darin, dass man die Welt kennen lernt, sondern sich selber. Indem sie vor den Augen des Reisenden die Welt wirklich werden laesst loest sie ihn von ihr ab, bringt ihn zu sich selbst, und lehrt ihn was er ist. Das Verweilen in bekannter Umwelt laehmt den menschen, indem es ihn an gewohntes Fuehlen und denken fesselt. Zu Hause verwaechst das Innen mit dem Aussen, und des Menschen Selbstbewusstsein verschmilzt mit seiner Vorstellung von der Welt. Je verlaesslicher er sich in der bekannten Umwelt auskennt, desto unbekannter bleibt er sich selbst. Auf Reisen, hingegen, ist er unablaesslich gezwungen sich neuen Eindruecken, neuen Gefuehlen, neuen Gedanken anzupassen. Durch diese Entfaltung von Geist und Seele erfaehrt der Mensch was er ist, und zuweilen ahnt er, was er sein koennte. Die historischen Tatsachen welche ich zur Erklaerung meiner Reise anfuehren muss sind einfach genug. Im Herbst 1938, war meine Familie vondemselben Schicksal bedroht, dem Millionen andere Menschen zum Opfer fallen wuerden. Wenn ich erwaehne, dass wir als Fluechtlinge vor dem Nationalsozialismus nach Amerkia auswanderten, so muss ich, um vor des Lesers Augen kein der Wirklichkeit ungetreues Bild entstehen zu lassen, hinzufuegen, dass meine Eltern, da sie verhindert waren mehr als sechs Prozent ihres Vermoegens in amerikanische Devisen umzutauschen, unsere Auswanderung in aeusserster Eleganz veranstalteten, in Kabinen der ersten Klasse aus einem transatlantischen Dampfschiff der Hamburg-Amerika Linie. Das Schiff hiess "Hamburg"; es wurde, so viel ich erfahren konnte, spaeter im Kriege versenkt. In den Bergen des suedwestlichen Virginia siedelten wir uns an. Dort wirkte meine Vater fuenfunddreissig Jahre lang als Arzt in eigener medizinischer Praxis, und dort lebten wir in Ruhe und Frieden, waehrend der Staat dem wir entflohen waren mit moerdrischem Hass fast das ganze Europa verwuestete, bis er zuletzt von selbstgestiftetem Kriege zerstoert wurde. Wir aber wurden nur von dem Lautsprecher des Rundfunkapparates, unter unversehrtem Dach, von den Ereignissen jener schicksalsvollen Jahre beruehrt.