Dear Marion, The quotation which so riles you: Gegen die grossen Vorzuege eines anderen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe, is to be found in a poorly delineated section "Aus Ottiliens Tagebuch", (From Ottiliens Diary) of Goethe's novel Die Wahlverwandtschaften (Elective Affinities) an adaption to human affairs of the then recently invented concept of selective chemical binding. In the quartet of the four principal characters, Ottilie, Eduard, Charlotte, and Otto, whose ordeal is the discovery of their "true" or "natural" conjugal partners, Ottilie is the weakest and most vulnerable, a disposition which is reflected in her diary, the extracts from which I reproduce in their entirety, but without endorsement. Obviously, you're free to ignore them. Man nimmt in der Welt jeden, wofür er sich gibt; aber er muß sich auch für etwas geben. Man erträgt die Unbequemen lieber, als man die Unbedeutenden duldet. Man kann der Gesellschaft alles aufdringen, nur nicht, was eine Folge hat. Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen; wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mit ihnen steht. Ich finde es beinahe natürlich, daß wir an Besuchenden mancherlei auszusetzen haben, daß wir sogleich, wenn sie weg sind, über sie nicht zum liebevollsten urteilen; denn wir haben sozusagen ein Recht, sie nach unserm Maßstabe zu messen. Selbst verständige und billige Menschen enthalten sich in solchen Fällen kaum einer scharfen Zensur. Wenn man dagegen bei andern gewesen ist und hat sie mit ihren Umgebungen, Gewohnheiten, in ihren notwendigen, unausweichlichen Zuständen gesehen, wie sie um sich wirken oder wie sie sich fügen, so gehört schon Unverstand und böser Wille dazu, um das lächerlich zu finden, was uns in mehr als einem Sinne ehrwürdig scheinen müßte. Durch das, was wir Betragen und gute Sitten mennen, soll das erreicht werden, was außerdem nur durch Gewalt oder auch nicht einmal durch Gewalt zu erreichen ist. Der Umgang mit Frauen ist das Element guter Sitten. Wie kann der Charakter, die Eigentümlichkeit des Menschen, mit der Lebensart bestehen? Das Eigentümliche müßte durch die Lebensart erst recht hervorgehoben werden. Das Bedeutende will jedermann, nur soll es nicht unbequem sein. Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat. Rohe Kriegsleute gehen wenigstens nicht aus ihrem Charakter, und weil doch meist hinter der Stärke eine Gutmütigkeit verborgen liegt, so ist im Notfall auch mit ihnen auszukommen. Niemand ist lästiger als ein täppischer Mensch vom Zivilstande. Von ihm könnte man die Feinheit fordern, da er sich mit nichts Rohem zu beschäftigen hat. Wenn wir mit Menschen leben, die ein zartes Gefühl für das Schickliche haben, so wird es uns angst um ihretwillen, wenn etwas Ungeschicktes begegnet. So fühle ich immer für und mit Charlotten, wenn jemand mit dem Stuhle schaukelt, weil sie das in den Tod nicht leiden kann. Es käme niemand mit der Brille auf der Nase in ein vertrauliches Gemach, wenn er wüßte, daß uns Frauen sogleich die Lust vergeht, ihn anzusehen und uns mit ihm zu unterhalten. Zutraulichkeit an der Stelle der Ehrfurcht ist immer lächerlich. Es würde niemand den Hut ablegen, nachdem er kaum das Kompliment gemacht hat, wenn er wüßte, wie komisch das aussieht. Es gibt kein äußeres Zeichen der Höflichkeit, das nicht einen tiefen sittlichen Grund hätte. Die rechte Erziehung wäre, welche dieses Zeichen und den Grund zugleich überlieferte. Das Betragen ist ein Spiegel, in welchem jeder sein Bild zeigt. Es gibt eine Höflichkeit des Herzens; sie ist der Liebe verwandt. Aus ihr entspringt die bequemste Höflichkeit des äußern Betragens. Freiwillige Abhänglichkeit ist der schönste Zustand, und wie wäre der möglich ohne Liebe. Wir sind nie entfernter von unsern Wünschen, als wenn wir uns einbilden, das Gewünschte zu besitzen. Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein. Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt. Wagt er es, sich für bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei. Gegen große Vorzüge eines andern gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe. Es ist was Schreckliches um einen vorzüglichen Mann, auf den sich die Dummen was zugute tun. Es gibt, sagt man, für den Kammerdiener keinen Helden. Das kommt aber bloß daher, weil der Held nur vom Helden anerkannt werden kann. Der Kammerdiener wird aber wahrscheinlich seinesgleichen zu schätzen wissen. Es gibt keinen größern Trost für die Mittelmäßigkeit, als daß das Genie nicht unsterblich sei. Die größten Menschen hängen immer mit ihrem Jahrhundert durch eine Schwachheit zusammen. Man hält die Menschen gewöhnlich für gefährlicher, als sie sind. Toren und gescheite Leute sind gleich unschädlich. Nur die Halbnarren und Halbweisen, das sind die Gefährlichsten. Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst. Selbst im Augenblick des höchsten Glücks und der höchsten Not bedürfen wir des Künstlers. Die Kunst beschäftigt sich mit dem Schweren und Guten. Das Schwierige leicht behandelt zu sehen, gibt uns das Anschauen des Unmöglichen. Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt. Säen ist nicht so beschwerlich als ernten. ========================== About the epithet which you find so monstrous, Gegen große Vorzüge eines andern gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe. I have the following comments: "Vorzuege" derives from "vorziehen". The literal and most valid translation of "vorziehen" is to prefer, and the literal translation of Vorzuege is preferences. Vorziehen is applied to parents and teachers when they give undue (unfair) preferences to one of their children or pupils. Ottilie grew up in a boarding school in the shadow of her talented, accomplished and much admired cousin Luciane. Luciane wurde von der Vorsteherin (principal) vorgezogen. Es waren die grossen Vorzuege ihrer Kusine also, unter denen Ottilie litt. Here is the relevant extract from Goethe's text. Referring to Ottilie, her niece, Charlotte says to her husband Eduard: Höchst ungern weiß ich das liebe Kind in der Pension, wo sie sich in sehr drückenden Verhältnissen befindet. Wenn Luciane, meine Tochter, die für die Welt geboren ist, sich dort für die Welt bildet, wenn sie Sprachen, Geschichtliches und was sonst von Kennntnissen ihr mitgeteilt wird, so wie ihre Noten und Variationen vom Blatte wegspielt; wenn bei einer lebhaften Natur und bei einem glücklichen Gedächtnis sie, man möchte wohl sagen, alles vergißt und im Augenblicke sich an alles erinnert; wenn sie durch Freiheit des Betragens, Anmut im Tanze, schickliche Bequemlichkeit des Gesprächs sich vor allen auszeichnet und durch ein angebornes herrschendes Wesen sich zur Königin des kleinen Kreises macht, wenn die Vorsteherin dieser Anstalt sie als kleine Gottheit ansieht, die nun erst unter ihren Händen recht gedeiht, die ihr Ehre machen, Zutrauen erwerben und einen Zufluß von andern jungen Personen verschaffen wird, wenn die ersten Seiten ihrer Briefe und Monatsberichte immer nur Hymnen sind über die Vortrefflichkeit eines solchen Kindes, die ich denn recht gut in meine Prose zu übersetzen weiß: so ist dagegen, was sie schließlich von Ottilien erwähnt, nur immer Entschuldigung auf Entschuldigung, daß ein übrigens so schön heranwachsendes Mädchen sich nicht entwickeln, keine Fähigkeiten und keine Fertigkeiten zeigen wolle. In this boarding school Ottilie was the ugly duckling; Luciane was the teacher's pet. Ottilie's note in her diary: Gegen große Vorzüge eines andern gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe. is in effect a reminder to herself to cope with the humiliation to which Luciane's popularity condemned her, not by hating Luciane, not by being envious of her, not by denigrating or disparaging her, but by being "proud" of Luciane, by being proud that Luciane was her cousin, by admiring and praising Luciane, by identifying with Luciane. The term "Rettungsmittel" is an index of Ottilie's desperation. "Retten" means to save from calamity, to save from death. The word "Liebe", moreover, is often problematic for its lack of specificity. Just what Ottilie's hypothetical "love" for Luciane should entail other than lack of envy and hostility doesn't at this juncture require to be spelled out. Goethe's epigram seems to me to provide a general explanation for the cohesiveness of hierarchical societies, inasmuch as the Emperor's subjects tolerate their subjection and servitude by sublimating their inferiority into love of the sovereign. Listen to them sing: I. Gott erhalte Franz, den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! Lange lebe Franz, der Kaiser, In des Glückes hellstem Glanz! Ihm erblühen Lorbeerreiser, Wo er geht, zum Ehrenkranz! |: Gott erhalte Franz, den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! :| Laß von seiner Fahne Spitzen Strahlen Sieg und Fruchtbarkeit! Laß in seinem Rate Sitzen Weisheit, Klugheit, Redlichkeit; Und mit Seiner Hoheit Blitzen Schalten nur Gerechtigkeit! |: Gott erhalte Franz, den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! :| Ströme deiner Gaben Fülle Über ihn, sein Haus und Reich! Brich der Bosheit Macht, enthülle Jeden Schelm- und Bubenstreich! Dein Gesetz sei stets sein Wille, Dieser uns Gesetzen gleich. |: Gott erhalte Franz, den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! :| Froh erleb' er seiner Lande, Seiner Völker höchsten Flor! Seh' sie, Eins durch Bruderbande, Ragen allen andern vor! Und vernehm' noch an dem Rande Später Gruft der Endkel Chor. |: Gott erhalte Franz, den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! :| II. Gott erhalte Franz den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz, Hoch als Herrscher, hoch als Weiser, Steht er in des Ruhmes Glanz; Liebe windet Lorbeerreiser Ihm zum ewig grünen Kranz. |: Gott erhalte Franz den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! :| Über blühende Gefilde Reicht sein Scepter weit und breit; Säulen seines Throns sind milde, Biedersinn und Redlichkeit, Und von seinem Wappenschilde Strahlet die Gerechtigkeit. |: Gott erhalte unsern Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! :| Sich mit Tugenden zu schmücken, Achtet er der Sorgen werth, Nicht um Völker zu erdrücken Flammt in seiner Hand das Schwert: Sie zu segnen, zu beglücken, Ist der Preis, den er begehrt, |: Gott erhalte unsern Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! :| Er zerbrach der Knechtschaft Bande, Hob zur Freiheit uns empor! Früh' erleb' er deutscher Lande, Deutscher Völker höchsten Flor, Und vernehme noch am Rande Später Gruft der Enkel Chor: |: Gott erhalte unsern Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz! :| Lorenz Leopold Haschka, 1749-1827 Or, if you prefer the English version: God save our gracious Queen, Long live our noble Queen, God save the Queen: Send her victorious, Happy and glorious, Long to reign over us: God save the Queen. O Lord, our God, arise, Scatter her enemies, And make them fall. Confound their politics, Frustrate their knavish tricks, On Thee our hopes we fix, God save us all. Thy choicest gifts in store, On her be pleased to pour; Long may she reign: May she defend our laws, And ever give us cause To sing with heart and voice God save the Queen. If you need help with the German, just ask. As for the literature, there's no charge for tuition. Jochen