Dear Marion, My letters haven't done justice to your pointillistic account of the social cosmos as a set of colored dots each corresponding to the integrity of an individual making his or her contribution to a very large variegated pattern. You wrote a few letters ago: "I am willing to be an individual colored dot in what I hope is a beautiful painting. You and Margaret could be dots near me, which would make things even better." And then more recently: "A modest colored dot such as myself, who regards her cousin as a dot of an engageing color also, cannot believe that he, a dot after all, would keep describing himself as having grosse Vozuege vis a vis a contending dot from his own family. Pomposity and dotdom don't mix." Let me deal with this issue in the context of Goethe's account of Ottilie and her cousin Luciane isolated in their boarding school. He describes Luciane as a brilliant student honored with recognition and preferences. She is depicted as a queen in the circles in which she moves. Goethe does not tell us how Luciane receives these honors, whether they have "gone to her head", whether she considers herself "etwas Besonderes." We don't know whether Luciane is afflicted with pomposity, having been convinced by all those who heap praises on her that she possesses "grosse Vorzuege." All we are told is that Charlotte, who is Luciane's mother and Ottilie's aunt expresses concern that Ottilie is or might be oppressed by (and envious of) Luciane's preferred status. It's been years since I last read Die Wahlverwandtschaften and I may be beyond my depth, when I articulate my suspicion that Charlotte's concern for Ottilie may have been a subconscious pretext for introducing Ottilie into the apparently perfect marriage of Eduard and herself as a (potential) paramour and rival. It's possible, for all we know, that Ottilie couldn't have cared less about Luciane's honors. And as for Luciane, maybe honor was so repugnant to her, that she skipped all the graduation cermonies at which she might have received medals, and returned her Phi Beta Kappa key with the explanation that she didn't own the proper clothes with which to wear it. The point to be made is that "honors" are social institutions, that they are, if anything, an inverse index of the "true" value of the individual who receives them: the greater the honor, the greater the fraud, - and that "honors" have only a haphazard and contingent relationship to the social, political or cultural "contributions" for which they are bestowed. Since "grosse Vorzuege" are at best irrelevant to anything real, it seems to me that with your comments about pomposity, you've gotten steamed up over nothing. I've mentioned the circumstance that two of the authors whose work I esteem most highly, Hoelderlin and Kleist, were virtually unrecognized during their lifetimes. By the same token, I consider the honors bestowed on Goethe during the second half of his life, an albatross around his neck. The concept "Liebe" which in the epigram is designated as "Rettungsmittel" from "grosse Vorzuege", is ambiguous. I don't put much stock into the kind of love extolled in the two national hymns which I quoted. I consider intra-family love, such as between father and son, or between siblings, a very appropriate and effective antidote to envy. I'm much impressed by the Biblical account of Saul's self-destructive envy of David whom he was unable to accept as his son, however much he tried. If your account of ourselves as colored dots on a cosmic canvas is to be more than an illustration supportive of irrational political mysticism, and more than a put-down of misconceived "pomposity", you must assume responsibility for the logical, psychological and metaphysical implications of your theory, which reminded me of Leibniz' Monadology. This text, of which I append the first few paragraphs, seems to me a suitable point of departure for analysing and implementing the theory of dots. I conclude however, that Leibniz' Monads prove to be inappropriate reifications of linguistic concepts. I view Leibniz, the inventor of the differential and integral calculus, as a mathematician who attempted unsuccessfully to apply to language the mental techniques of reification of symbols that have in mathematics such stunning success, while in literature they lead into a labyrinth of incongruities and contradictions. Nonetheless, trying to trace and retrace Leibniz' ideas is exhilarating exercise, and if you're interested, I'm game. Jochen ========================================================== Gottfried Wilhelm Leibniz Monadologie (Das französische Original übersetzte der Jenaer Staatsrechtler Heinrich Köhler, ein Zeitgenosse des Autors) Des Herrn Baron von Leibnitz Lehr-Sätze von den Monaden / von der Seele des Menschen, von seinem Systemate harmoniae praestabilitae zwischen der Seele und dem Körper, von GOtt, seiner Existenz, seinen andern Vollkommenheiten und von der Harmonie zwischen dem Reiche, der Natur und dem Reiche der Gnade. §. 1. Die Monaden / a) wovon wir allhier reden werden / sind nichts anders als einfache Substanzen / woraus die zusammen gesetzten Dinge oder composita bestehen. Unter dem Wort / einfach / verstehet man dasjenige / welches keine Teile hat. §. 2. Es müssen dergleichen einfache Substanzen sein, weil composita vorhanden sind; denn das Zusammengesetzte ist nichts anders als eine Menge oder ein Aggregat von einfachen Substanzen. §. 3. Wo nun keine Teile vorhanden sind / daselbst kann auch weder eine Ausdehnung in die Länge / Breite und Tiefe / noch eine Figur / noch eine Zerteilung möglich sein. Und diese Monaden sind die wahrhaften Atomi der Natur und mit einem Worte / die Elemente derer Dinge. §. 4. Gleichergestalt ist auch bei denenselben keine dissolution zu befürchten; noch weniger kann man sich eine Manier gedenken / nach welcher eine einfache Substanz natürlicher Weise untergehen könnte. §. 5. Um eben dieser Ursache willen kann man keine Art und Weise begreifen / wie eine einfache Substanz natürlicher Weise einen Anfang nehmen könne; weil sie durch die Zusammensetzung oder Composition nicht kann hervorgebracht werden. §. 6. Man kann also sagen / daß die Monaden nicht anders anfangen oder aufhören können zu sein was sie sind / als auf einmal oder in einem Augenblick / das ist / sie können nicht entstehen als durch die Schöpfung / und nicht untergehen als durch die völlige Zernichtung / da hingegen dasjenige / welches aus andern Dingen zusammen gesetzet ist / vermöge der Teile einen Anfang oder Ende nimmt / wornach dieselben entweder zusammen gesetzet oder von einander getrennet worden. §. 7. Es ist auch kein Mittel vorhanden / wodurch man zuerklären vermögend wäre / wie eine Monade in ihrem innerlichen Wesen durch eine andere Kreatur könnte alterieret oder verändert werden; weil man in derselben nichts versetzen / noch einige innerliche Bewegung begreifen kann / welche darinnen erreget / dirigieret / vermehret oder vermindert werden könnte; gleichwie sich dieses in denen zusammengesetzten Dingen gedenken läßt / allwo unter denen Teilen eine Veränderung vorgehet. Die Monaden haben keine Öffnungen / wodurch etwas in dieselben hineintreten oder aus ihnen herausgehen könnte. Die Accidentia können sich von denen Substanzen nicht absondern / noch aus denenselben heraus weichen / dergleichen in vorigen Zeiten die Species sensibiles nach der Meinung der Scholastiker tun konnten. Dahero ist weder eine Substanz / noch ein Accidens vermögend / von außen in eine Monade hinein zutreten. §. 8. Unterdessen müssen die Monaden gewisse Eigenschaften haben / denn sie sonst keine Entia oder würklichen Dinge wären. Und wenn die einfachen Substanzen in Ansehung ihrer Eigenschaften nicht von einander unterschieden wären, so würde kein Mittel vorhanden sein / wodurch man in denen Dingen einige Veränderung wahrnehmen könnte; weil dasjenige / welches in einem composito ist und vorgehet / nirgends anders als von denen in ihnen befindlichen simplicibus herkommen kann; und wenn die Monaden keine Eigenschaften hätten / so würde eine von der andern nicht unterschieden sein / zumal da man auch der Größe oder Quantität nach keinen Unterscheid unter ihnen antrifft; und folglich / wenn man den mit andern Dingen angefülleten Raum supponieret / würde ein jeder Ort bei entstehender Bewegung allezeit nur ein aequivalent vor dasjenige / was er bereits gehabt und in sich gefasset hat / bekommen; und solchergestalt würde man keinen Zustand der Dinge von einem andern Zustande derselben unterscheiden können. §. 9. Es muß aber auch ein Unterscheid sein / den eine jedwede Monade von einer andern hat. Denn es gibt niemals in der Natur zwei Dinge / deren eines vollkommen so beschaffen wäre / wie das andere / und allwo es nicht möglich wäre / einen innerlichen Unterscheid / oder einen solchen / welcher sich auf einen innerlichen Vorzug oder Herrschaft (dominatio) gründet / zufinden. §. 10. Ich nehme auch / als etwas unstreitiges an / daß ein jedwedes erschaffenes Wesen und folglich auch die erschaffene Monade der Veränderung unterwürfig sei; ja daß sotane Veränderung in einer jeden auf eine unverrückte und ununterbrochene Weise fort daure. §. 11. Es folget aus dem bereits beigebrachten Satze / daß die natürlichen Veränderungen derer Monaden von einem innerlichen Principio herrühren; weil eine äußerliche Causa in ihr Innerliches keinen Einfluß haben kann. Und man kann überhaupt sagen / daß die Kraft (vis) nichts anders sei / als eben das Principium der Veränderungen. §. 12. Es muß aber auch außer diesem Grunde / woraus die Veränderungen erfolgen / noch etwas mehreres / welches von einander unterschieden ist und sich verändert / in einer Monade angetroffen werden / wodurch / so zu reden / die verschiedene und mannichfaltige Arten der einfachen Substanzen entstehen. §. 13. Dieses detail muß vieles in einem oder in dem einfachen in sich fassen. Denn da alle natürliche Veränderung nach gewissen Graden geschiehet / so wird etwas verändert und etwas bleibet übrig; und folglich müssen viele Eigenschaften und Relationen in einer Monade vorhanden sein / obgleich dieselbe gar keine Teile an sich hat. §. 14. Der veränderliche Zustand / welcher eine Vielheit in dem einem oder in dem einfachen in sich fasset und vorstellet / ist nichts anders als dasjenige / welches man die Empfindung oder Perception nennet / die man von der Apperception oder von dem Bewußtsein wohl unterscheiden muß / wie solches aus dem folgenden erhellen wird. Und hierinnen haben die Cartesianer sehr verfehlet / wann sie die Perceptiones oder Empfindungen / derer man sich nicht bewußt ist und welche man nicht wahrnimmet / vor nichts gehalten haben. Dieses hat sie auch bewogen / zu glauben / daß die Spiritus oder Geister alleine unter die Zahl der Monaden gehöreten / und daß gar keine Seelen der unvernünftigen Tiere / oder andere entelechiae wären; um eben dieser Ursache willen ist es geschehen / daß sie einen Zustand / da man lange sinnlos und ohne einzige Empfindung lieget / mit dem Tode / wenn er im genauen Verstande genommen wird / nach der Meinung des gemeinen Haufens verwirret haben / und ebenfalls in das Scholastische Vorurtheil von denen völlig Körper-losen Seelen geraten sind / überdieses auch hierdurch die verkehrten und übelgesetzten Gemüter in der Meinung bestärket haben / als wenn die Seelen sterblich wären. §. 15. Und die action oder die Tätigkeit des innerlichen principii, welches die Veränderung oder den Fortgang von einer Perception zur andern verursachet / kann appetition oder die Begierde genennet werden. Es kann zwar der appetit zu einer jedweden perception, wornach er strebet / nicht allezeit völlig gelangen; er erhält oder gewinnet aber doch allezeit etwas davon / und gelanget zu gewissen neuen Perceptionen. §. 16. Die Erfahrung lehret uns selbst / daß vielerlei Dinge in der einfachen Substanz an getroffen werden / wenn wir befinden / daß die geringste Gedanke / dessen wir uns bewußt sind / eine Mannichfaltigkeit in der Sache / welche darinnen vorgestellet und gleichsam abgeschildert wird / in sich fasse. Dahero alle diejenigen / welche bekennen / daß die Seele eine einfache Substanz sei / auch diese Vielheit oder Mannigfaltigkeit in denen einfachen Substanzen zugestehen müssen; wie dann Herr Bayle nicht Ursache hatte / hierinnen eine Schwierigkeit zu finden / dergleichen er in seinem Dictionario unter dem Articul, Rorarius, getan hat. §. 17. Man ist außerdem genötiget zu bekennen daß die perception und dasjenige / was von ihr dependieret / auf mechanische Weise / das ist / durch die Figuren und durch die Bewegungen / nicht könne erkläret werden. Und erdichteten Falls / daß eine Machine wäre / aus deren Structur gewisse Gedanken / Empfindungen / Perceptionen erwüchsen; so wird man dieselbe denkende Machine sich concipieren können / als wenn sie ins große nach einerlei darinnen beobachteter Proportion gebracht worden sei / dergestalt daß man in dieselbe / wie in eine Mühle / zugehen vermögend wäre. Wenn man nun dieses setzet / so wird man bei ihrer innerlichen Besichtigung nichts als gewisse Stücke / deren eines an das andere stosset / niemals aber etwas antreffen / woraus man eine Perception oder Empfindung erklären könnte. Dahero muß man die Perception in der einfachen Substanz / und keines weges in dem Composito oder in der Machine suchen. Man kann auch in denen einfachen Substanzen nichts als dieses / nämlich die Empfindungen und ihre Veränderungen finden. Auch hierinnen alleine können alle die innerlichen Actiones derer Monaden bestehen. §. 18. Es könnten alle diese einfache Substanzen oder erschaffene Monaden / Entelechiae, genennet werden. Denn sie besitzen eine gewisse Vollkommenheit in sich / sie haben eine Suffisance, oder dasjenige / was sie zur Vollziehung ihrer Würkungen nötig haben / und welches verursachet / daß sie die Quelle ihrer innerlichen Actionen und / so zu reden / unkörperliche automata sind. §. 19. Wenn wir alles dasjenige / welches Perception und Appetit hat / nach dem jetzterklärten allgemeinen Verstande eine Seele nennen wollen; so können alle einfache Substanzen oder erschaffene Monaden Seelen genennet werden; gleichwie aber das sentiment oder der Gedanke etwas mehr als eine bloße perception ist; so bin ich darinnen übereinstimmig / daß der allgemeine Name / (Monaden und Entelechiae) für die einfachen Substanzen / welche nur alleine die Empfindung haben / zureichend sei: und daß man nur denenjenigen / deren perception viel distincter oder deutlicher und mit Gedächtnis verknüpft ist / den Namen / Seele / beilege. §. 20. Denn wir nehmen durch die Erfahrung bei uns selbst einen Zustand wahr / worinnen wir uns keiner Sache erinnern und da wir gar keine deutliche perception oder Vorstellung haben / welches z. e. geschiehet / wenn wir in eine Ohnmacht sinken oder in einen sehr tiefen Schlaf verfallen / darbei wir aber keinen Traum verspüren. Bei diesen Umständen findet man zwischen der Seele und einer bloßen Monade keinen merklichen Unterscheid; weil aber dieser Zustand nicht fortdaurend ist und die Seele sich aus demselben wieder herausziehet / so ist sie etwas mehr als eine bloße Monade. [Das Wort Monade oder Monas, hat bekannter maßen seinen Ursprung aus dem Griechischen, und bedeutet eigentlich Eines. Man hat das Wort behalten, weil man vornehme Gelehrte zu Vorgänger hat, die die Kunst-Wörter der Kürze wegen behalten und mit einer teutschen Endigung nach der Gewohnheit der Engelländer und Franzosen gleichsam naturalisieren. Wenn man die Worte Serenaden, Cantaten, Elemente und dergleichen unzählige mehr in der teutschen Sprache beibehält, ohngeachtet es frembde Wörter sind; so habe ich geglaubet, daß es nicht inconvenient gehandelt sei, wenn ich mich um der Kürze willen des Worts, Monade, und anderer dergleichen Kunst-Wörter bediente. Viele Dinge scheinen Anfangs ungereimet, weil sie noch nicht gewöhnlich sind; ich halte aber davon, daß das ungewöhnliche, wenn es eine vernünftige Ursache zum Grunde hat, nicht für ungereimt könne gehalten werden.]