Lieber Helmut, Vielen Dank fuer Deinen Brief. Wahrscheinlich habe ich mich schon verschiedene Mal fuer mein umgehendes Beantworten Deiner Post entschuldigt, mit der Erklaerung dass ich mir angewohnt habe zu beschreiben was jeweilig mein Gemuet beschaeftigt. Das Vergessen beschleicht die Gedanken so uebereilt wie die Winternacht den kurzen Tag. Du fragtest ob ich Christopher Gordon nicht bezahlen koennte die Klempnerarbeit nun endlich fertig zu stellen. Genau das ist der Befehl des Berufungsgerichts. Die Ironie: Gordon behauptet die Arbeit sei fertig, beduerfe keiner weiteren Bemuehungen und waere inspektionsbereit. Der oertliche Inspektor, Mr. Ciarmataro verweigert nicht nur die Inspektion sondern auch den Erlaubnisschein fuer die nun abgeschlossene Anlage. Gordon berichtet mir Ciarmataro beabsichtigte eine Inspektion von der staatlichen Behoerde, the Board of State Examiners of Plumbers and Gasfitters, zu beantragen, nimmt sich zu diesem Antrag die Zeit, und weiss auch, dass diese Behoerde eine solche Inspektion nur ausnahmsweise anstellen wuerde, wenn ueberhaupt. Ciarmataro geht es um nichts als Verzoegerung und Unterbindung meines Unternehmens. Inzwischen hat vorgestern ein weiteres Verhoer stattgefunden. Meine Notizen darueber fuege ich bei. Kriminell, schreibst Du; nein kriminell finde ich es nicht, komisch, wunderbar komisch, der Zerbrochene Krug in neuer Fassung. Ich lerne sehr viel ueber die Gerichte und ueber die Gesetze; bin demuetig und dankbar fuer die Einsicht und fuer das Verstaendnis der Umstaende die ich erlebe, dankbar dass ich darueber lachen und schreiben kann. Die Revolutionen in Nord-Afrika die Du erwaehnst, stimmen auch mich nachdenklich. Die tief empfundene Befuerwortung des Geschehens, wie etwa von Nicholas Kristof der New York Times ist mir sehr sympathisch; und doch wenn ich die Bilder der zigtausenden von Menschen am Tahrirplatz betrachte, wird mir elend bei der Vorstellung mich ihnen anschliessen zu sollen oder gar zu muessen. Ich denke an Margrit die stets bereit war mit dem naechsten Autobus dorthin zu reisen, wo die Verwirklichung ihrer Wunschtraeume in Erfuellung zu gehen versprach. Mir ist das Leben ehr undurchsichtig. Ich sehe keinen Pfad der an dem Elend der Menschheit vorbei oder gar von ihm fort fuehrt. Das soll fuer heute genug sein. Bleib gesund und froh, und freue Dich auf den Fruehling der bevorsteht. Dein Jochen