Lieber Herr Nielsen, Am Dienstag den 13. Mai begann ich zu schreiben: Um sieben Uhr heute Morgen, als ich aus einer mit Magenbeschwerden stürmischen Nacht schließlich erwachte, drängte sich mir eine weitere Lösung des epistemologischen Rätsels auf, - denn mir scheint dass nicht nur algebräische, sondern auch andere Fragestellungen nicht selten auf mehr als eine einzige aufklärende Wurzel zurückzuführen sind. Selbstverständlich bin ich mir der inbegriffenen Unverschämtheit bewusst, Sie unaufgefordert mit meinen exzentrischen Einfällen zu belästigen, aber ich meine den Zwischenzeilen Ihrer Briefe entnommen zu haben, dass Sie aus meiner verantwortungslosen Pseudophilosophie eine unbestimmte Genugtuung schöpfen, wie, so stelle ich mir vor, aus Karikaturen oder anderen Zerrbildern mit denen Zeichner sich zieren wenn ihnen die Kunst unerreichbar geblieben ist, sie aber dennoch entschlossen sind ihr Publikum zu beeindrucken. Was meine eigenen Versuche anbelangt, so entschuldige ich mich mit der Feststellung, dass Denken und Schreiben ergiebiger sind, wenn es mir erlaubt ist sie an einen möglicherweise interessierten Leser zu richten, statt in ein Himmelsblau an welchem der Gedankendunst sich zwar momentan in imposante Wolken ballt, die aber leider, eh man's gewahrt, sozusagen, in the twinkling of an eye, zerstoben sind. Was mir heute Morgen einzuleuchten schien, ist das jenes Unterbewusst- sein, welches Sigmund Freud als Rumpelkammer bestimmte wo er den Haufen victorianischer Zimperlichkeit unannehmbarer Vorstellungen versteckte, dass dieses Unterbewusstsein, aus welchem vermeintlich für Handeln und Denken entscheidende Seelenregungen entspringen, in ähnlich unscheinbarer Weise auch unser Wissen bestimmt, und deshalb in der Erkenntnistheorie eine von mir jedenfalls ungeahnt bedeudente Rolle spielen muss. Erkenntnistheorie beansprucht das Wissen zu erklären. Mein Wissen ist ein Ausdruck meines Gemüts und besteht aus Gedankengeweben die mir in sprachlicher Formel erst im Rückblick zum Bewusstsein kommen. Mein Wissen, wie mein Denken und Handeln, entwickelt sich in einem Unterbewusstsein, in einer Kammer, Schatz- oder Rumpelkammer wie auch immer, deren Anlage und Einrichtung, wenn sie erfahrbar wären, das eigentliche Thema der Erkenntnistheorie sein müssten. Der Fehler, dessen zu mich entwöhnen ich noch immer vergebens bestrebt bin, ist die vermeintliche Notwendigkeit, mittels einer Erkenntnistheorie die großen Geheimnisse oder die großen Ungereimt- heiten neuzeitlicher Wissenschaft, die Rätsel der Relativitätstheorie, der Quantentheorie, zum Beispiel, zu erörtern, zu erklären, zu rationalisieren. Inbegriffen ist die Voraussetzung dass der Erkennt- nistheoretiker zugleich auch Universalwissenschaftler sein müsse; dass er nicht nur die Mathematik, die Physik, die Chemie, die Biologie und andere Naturwissenschaften beherrschen, sondern zugleich an dem zunehmend verschlungenen Labyrinth der Geisteswissenschaften Eingang, Durchgang und Ausgang finden sollte. Demgemäß müsste schließlich die Erkenntnistheorie dem allwissenden Gotte, und nur ihm vorbehalten sein. Solches, wenn ich ihn recht verstehe, war die Voraussetzung mit welcher Ernst Cassirer sich an die Erkenntnistheorie wagte. Ich vermag es ihm nicht nachzumachen. Statt dessen beanspruche ich für mich eine geringere Aufgabe, wie sie von Rilke vorgeschrieben wurde: Preise dem Engel die Welt, nicht die unsägliche, ihm kannst du nicht großtun mit herrlich Erfühltem; im Weltall, wo er fühlender fühlt, bist du ein Neuling. Drum zeig ihm das Einfache, das, von Geschlecht zu Geschlechtern gestaltet, als ein Unsriges lebt, neben der Hand und im Blick. Sag ihm die Dinge. Er wird staunender stehn; wie du standest bei dem Seiler in Rom, oder beim Töpfer am Nil. Zeig ihm, wie glücklich ein Ding sein kann, wie schuldlos und unser, wie selbst das klagende Leid rein zur Gestalt sich entschließt, dient als ein Ding, oder stirbt in ein Ding -, und jenseits selig der Geige entgeht. - Und diese, von Hingang lebenden Dinge verstehn, dass du sie rühmst; vergänglich, traun sie ein Rettendes uns, den Vergänglichsten, zu. Wollen, wir sollen sie ganz im unsichtbarn Herzen verwandeln in - o unendlich - in uns! Wer wir am Ende auch seien. Neunte Duineser Elegie Das Wissen an dem ich eine Erkenntnistheorie entwickeln möchte ist ein mir fortwährend unmittelbares Erlebtes, die Sprache, und in gewisser Hinsicht erscheint mir die Sprache das Wesentlichste was als Wissen bezeichnet werden mag. Andererseits möchte man behaupten dass die Sprache nicht als Wissen zu gelten vermag, weil sie naturgemäß im Laufe der Entwicklung des Geistes in Erscheinung tritt. Das wirkliche Wissen, meint man, ist was auf der Universität gelehrt wird, worüber Doktorarbeiten verfertigt werden, ein besonderer und besondernder Besitz der dem Menschen Ruhm und Ehre einbringt, vermittelt durch die teuere Ausbildung zum Beispiel des Arztes oder des Anwalts. Demgemäß erschiene es lächerlich die Sprache als Wissen, und noch dazu als das höchste Wissen zu feiern. Jedes Kind lernt zu sprechen ohne sich zu bemühen. Sollte es tatsächlich ein Wissen geben das, weil es sich von selbst entwickelt, nicht gelehrt zu werden braucht? Und doch gerade das, so scheint es mir, ist der wesentliche Punkt, nämlich, dass das wirkliche, gültige Wissen sich von selbst ergibt, dass das wirkliche Wissen weder gelehrt zu werden braucht noch, letzten Endes gelehrt zu werden vermag; weil Wissen nicht absicht- lich Aufgenommenes ist, sondern das unbewusst Angeeignete eines bisher Unbekannten. Gewiss werden Sprachen mit wesentlichem Erfolg und mit großem Aufwand an Zeit, Mühe, und wirtschaftlichen Mitteln gelernt und gelehrt. Diese Vorgänge, das Lehren und Lernen von Sprachen bietet eine vortreffliche Gelegenheit die Verwissenschaftlichung des Wissens zu beobachten, und den Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaft zu erwägen. Denn der Mensch lernt das Sprechen von selbst, indem er seine Eltern, seine Geschwister, seine Gespielen imitiert und indem er seine eigene Sprache der ihren, auch den eigenen Geist dem ihren anpasst. Das Lehren der Sprache ist Abwandlung eines natürlichen Vorgangs. Die Gesellschaft in Deutschland z.B., in Gestalt der Dudenredaktion beansprucht die korrekte, öffentlich annehmbare Sprache festzustellen, zu bestimmen was dir zu sagen erlaubt und verboten ist. Diesen Regeln passe auch ich mich mit Begeisterung an. Denn so zu sprechen und so zu schreiben und so zu denken wie Duden es diktiert bestätigt eine gesellschaftliche Zugehörigkeit an der auch mir als Einzelnem sehr viel gelegen ist. Die geistige Dudeneinbürgerung fordert Mühen und Opfer ohne Ende. Nicht nur der Wortschatz, die Bedeutung einzelner Worte wird streng überwacht, auch die Zusammensetzung des Gesprochenen, die Grammatik, unterliegt strickter Regeln. Und nicht zuletzt, die geistig-seelische Gleichschaltung krönend, werden die Orthographie, und besonders die Regeln für das Groß- oder Kleinschreiben der vielen Worte die als Substantive benutzt werden können, kontrolliert; schlimmer noch, werden unbekümmert und sinnlos, willkürlichen Änderungen unterzogen, mit dem Ergebnis, daß die Buchstabierung von gestern, heute als falsch gilt. Die Sinnlosigkeit, wenn nicht gar Liederlichkeit, willkürlicher semantischer und orthographischer Abwandlungen wird allgemein übersehen, denn sie wirken zugunsten der Allmacht der vorherrschenden Gesellschaft, und gelten als Opfer auf dem Altar der Kultur. Dass vergleichbar Zufall und Willkür Abwandlungen auf anderen Fachgebieten bestimmen, wird durch die unvermeidliche Spezialisierung verdeckt und verhüllt. Nur der Fachmann auf eigenem Gebiet wäre zuständig die Sinnlosig- oder Sinnwidrig- keit einer Neuerung zu beurteilen, und ausgerechnet diesem ist am Geringsten daran gelegen die Abwandlung zu kritisieren. Entweder er selber, indem er die Erneuerung eingeführt oder sie befürwortet, hat sich für sie verantwortlich gemacht, und sein Zweifel würde nicht nur die Neuerung sondern die Autorität des Kritikers schmälern. Ist aber die Neuerung von seinen Konkurrenten befürwortet, dann erwiese der Kritiker der sie ablehnte als rückständig. So also der Vorgang des Übereinstimmungsverfahrens. Der Fortschrittsoptimismus ist unüberwindbar. In der Augenheilkunde, in der Medizin sind ähnlich Vorgänge ohne weiteres aufweisbar. Da die Menschen als Gesellschaftsmitglieder vergleichbar sind, ist es axiomatisch dass eine vergleichbare Gesellschaftsdynamik die Wandlungen auch manch anderer, wenn nicht sämtlicher Wissenschaften beherrscht. Es ist unbestreitbar nicht nur, dass sich die Welt in der wir leben und sterben fortwährend verwandelt, nicht weniger als der Einzelne der in ihr lebt und wirkt, und dass eine große Anzahl der Veränderungen,der Neuerungen einem intellektuellen Fortschritt angekreidet werden müssen. Wie drastisch hat nicht der Mensch auch nur in einem einzigen Lebensalter seine Welt geändert. Bemerkenswert inmitten der unwiderstehbaren Abwandlung ist die geistige Notwendigkeit eines bestimmbaren festen Ortes eines Standpunktes daran und von wo aus der Geschichtswissenschaftler die Stürme die ihn umtosen einschätzen, messen, wägen, erwägen, beurteilen kann, nichtsdestoweniger, ein Standpunkt der zufällig und willkürlich sein muss, und dessen absolute Unbestimmbarkeit die Schlussfolgerungen die sich von ihm aus ergeben verunsichern, um es milde auszusprechen. Indem die rasche Verwandlung der Welt in der wir leben und zu überwältigen droht, scheint der Anspruch die Veränderungen als günstig oder ungünstig einzuschätzen überflüssig wenn nicht gar irreführend. Das ein einzelner Mensch geboren wird, aufwächst, gedeiht, geistig reift und fruchtbar wird, eh er eingeht und schließlich stirbt, dass es Familien, Doerfer, Städte, Länder ähnlich ergeht, oder wie Rilke berichtet "da wurden Städte groß und fielen in sich zurück wie Wellen eines Meeres." Doch je weiter die Perspektive welche der Geschichtswissenschaftler einzuschätzen beansprucht, desto unbestimmbarer werden seine Schlussfolgerungen. Während der heutige Mathematiker, Physiker, Chemiker reichlichen Grund hat den Fortschritt seiner Wissenschaft vorzuzeigen, weiß doch der Kunsthistoriker dass heutzutage das Künstlertum das Michelangelo, Raphael und Tizian ermöglichte, das Rembrandt und Vermeer hervorbrachte, ausgestorben, unwiederbringlich vergangen ist. In der Musik dasselbe in Bezug auf Bach und Händel, in Bezug auf Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert. Dem der den Fortschritt lobt, sollten auch die Verluste gegenwärtig sein. (ought not be oblivious of the losses.) Inwiefern auch das menschliche Wissen im Laufe der Zeit der Verwandlung preisgegeben sein möchte ist unmöglich zu bestimmen und muss dahingestellt bleiben. Der optimistischen Behauptung, dass der Mensch die welt in der er lebt zunehmend verbessert, dem Glauben an den Fortschritt entgegnet die Furcht vor dem Verfall, die Vermutung dass die Menschen im Verlauf des Fortschritts den sie Feiern wie Umwelt welche diesen Fortschritt ermöglicht hat, zerstören. Bezeichnend, dass die Furcht vor dem Vergehen das Spiegelbild der Zuversicht des (unstoppable) Geheihens ist. XXXXXXXXXXXXXX Eine weitere Eigentümlichkeit der Sprache als Wissen rührt von der Vieldeutigkeit ihrer Erscheinung. Urgründlich erscheint die Sprache als Ausdruck des Bedürfnisses und der Notwendigkeit sich mit seinem Mitmenschen zu verständigen. Dabei offenbart sie sich als Weg in das Innere, in die Gedanken- und Gefühlswelt des Einzelnen. Zugleich bewirkt die Mitteilung ein objektives begriffliches Gefüge an welchem die einzelnen Menschen sich orientieren und welches sie in eine Gesellschaft bindet. Zumindest das westliche Denken wird seit der Renaissance vom Glauben an den Fortschritt beherrscht. Der Glaube an die Vervollkommnung des Leben des Menschen, sein Wissen einbeschlossen, oder jedenfalls an die Möglichkeit einer solchen Vervollkommnung ist universell. Geschichte wird mit dem Glauben an einen solchen Fortschritt geschrieben und scheint einen solchen fortschritt tatsächlich zu beweisen. Die Verbesserung, die Korrektur, der Fortschritt auf Wissensgebieten, in Wissenssachen, in den Wissenschaften müssen verlanget erklärt zu werden. Explanation is required for the apparent progress in science, in the sciences. Die Dudenindustrie sollte als Gipfel der Vergesellschaftung verstanden werden, denn mit der Einförmigkeit der Sprache die sie besorgt, besorgt sie auch die Einförmigkeit der Gemüter. Vielleicht sollte man die Dudenindustrie als den endgültigen Ausdruck des deutschen Wesens, des deutschen Geistes feiern. Wäre es erlaubt die Sprache als Vorbild, als Muster des Wissens zu konstatieren, die Sprache die jedem Menschen unentbehrlich ist, als Paradigma des Wissens, das Wahrzeichen der Vergesellschaftung. Oder sollte die Sprache übergangen werden weil sie sich auf natürliche Weise entwickelt, weil jeder Mensch an ihr teilnimmt? Bei dem Unterfangen die Sprache zu lehren zerfällt sie in Wortschatz und Grammatik. Der Wortschatz, das Vokabular, weist auf die Bedeutung der Worte. die Grammatik weist auf die Art der Rede. Beide, Wortschatz und Grammatik ergeben sich aus dem Unterbewusstsein. Beide, Wortschatz und Grammatik wirken (assert themselves) durch Homoiosis, durch Anpassung. Die zweite Abteilung des naiven Wissens ist das Rechnen. Das Zählen ist reine Wiederholung, reine Iteration; ein Schritt folgt dem anderen, ins Unendliche, ans Ende der Welt. Mathematik als Zählen Zählen als Entidentifizierung Sechs Tage, Sechs Bände, Sechs Sterne, Sechs Konzerte Zählen als Entbesonderung Zählen als Verallgemeinerung von dem, durch den menschlichen Geist. Rechnen als Ersatz für Erleben (Geld) Lichtjahre, unzählbare Quanten Das Problem der Mitteilung/Hermeneutik Verstehen als Umkehr des Mitteilens. Hermeneutik als Umkehr der Verständigung ================= Sprache ist Wissen Sprache deutet auf Wissen Sprache ist (subjektive) Wirklichkeit. Sprache deutet auf subjektive Wirklichkeit. Sprache ist ein Verhältnis das sich zu sich selbst verhält. Sprache ist rekursiv. Rekursivität ist die einzige greifbare (tangible) Wirklichkeit Mathematik ist Logik ist Sprache Sprache umfasst auch Mathematik Mathematik ist aber ein von der Sprache gesondertes Erleben das besondere Behandlung bezw. Erklärung erfordert: Iteration, Numerierung Die logisch-mathematische Schlussfolgerung. Der mathematische Beweis. Die subjektive Notwendigkeit oder Zufälligkeit der Schlussfolgerung. =================== Die Symbolik ist Kern und Herd menschlichen Wissens. Symbolik als logos würde Sprechen und Rechnen einbegreifen. Über Rechnen zu schreiben, zögere ich, - I am reluctant - wegen meiner geringen, beschränkten Betätigung auf diesem großen schwierigen Gebiet. Doch mag die Beschränkung, die Begrenzung, the limitation meiner rechnerischen Tätigkeiten ein unscheinbarer Vorteil sein, denn als berufsmäßiger Mathematiker würden mir möglicher Weise die vielen Bäume den Blick auf den Wald verbauen. As a practiving mathematician I might not be able to see the forst on account of the trees. Das Wesen des Rechnens ist das zwangsmäßig bestimme Urteil, das Urteil welches sich nicht empirisch aus der Erscheinung ergibt, sondern das vom Sinne, Zweck, Vorurteil Vporeingenommenheit des Geistes dem Denken aufgezwungen wird. Darüber mehr, später. Neben dem von Symbolen getragenem Wissen ist das Können, - tiefer urgründlicher als alles Wissen. Sein Muster: Muster des Könnens das autonomische Nervensystem. Atmen, der Puls, der Herzschlag, die spontanen geordneten Bewegungen. Gehen, Sehen, Sprechen; Tätigkeiten die nicht sprachlich gestaltet sind. Vorerst zurück zur Sprache als Herd und Kern des Denkens und daher des Wissens. Das Wort, der Ausdruck dem von der Gesellschaft aber auch vom Individuum Bedeutung zugemessen werden. Erst kommt das Wort. Was es bedeuten möchte stellt sich später ein, verwandelt sich mit der Erfahrung; wird durch Erfahrung erweitert oder beschränkt. Die Erkenntnis lässt sich als rekursive Funktion deuten. Cognition may usefully, constructively and creatively be construed as an interrelated set of recursive functions, where a perception or a concept serves as a seed which is processed by the cognitive function. The value of such an hypothetical initial function becomes the argument for the recursive function; a process to which obviously there is no inherent end, and which may be repeated indefinitely. Thus there arises a process of recursive functions, which depending on the perspective, will be called reality or knowledge. Man mag die Erkenntnisvorgänge im Unterbewusstsein als unbewusste rekursive Verfahren auslegen, deren Ergebnis, im ganzen, die Illusion einer Wirklichkeit ist. Die Illusion, die Vorstellung der Wirklichkeit entsteht durch die fortwährenden Rekursionen im Unterbewusstsein. Das Sprechen im erkenntnistheoretischen Sinn wird ursprünglich durch eine Begegnung (an encounter) mit der Außenwelt (mit einem Urbild, mit einem Urton, mit einer Urvorstellung) angeregt und bewirkt ein gedankliches, sprachliches, begriffliches Nachbild quasi als Abbild des Urbildes. Dieses Nachbild, mit den Eigenarten, mit den Eigenschaften des Denkenden behaftet wirkt (funtioniert) als ein neues Urbild zweiten Grades und bewirkt ein gedankliches, sprachliches, begriffliches Nachbild zweiten Grades... und so fort und fort. Die Sprache schafft eine Pseudowirklichkeit, einen Anhaltspunkt, welche wiederum eine Pseudowirklichkeit höheren (oder sollte man sagen niederen) Ranges bewirkt. Die Sprache bewirkt auf Grund einer Anregung eine Vorstellung welche wiederum als Anregung wirkt. Das Ergebnis der Sprache ist eine Pseudorealität, welche als neue Anregung wirkt. Die vorausgehende Beschreibung muss als ein Model, als ein Muster betrachtet werden, welches den Beziehungen im schwarzen Kasten des Unterbewusstseins annähernd gerecht wird. Das Wahrnehmen eines Gegenstandes bewegt das Gemüt zur Sprache. Es drängt es dem Gegenstand einen Namen zu geben. Hat doch Adam als die erste Nutzung der Sprache keineswegs Gott gelobt. Er hat den Tieren Namen gegeben. Die Wahrnehmung drängt zur Versprachlichung. Der Name, der sprachliche Ausdruck der Wahrnehmung ist selbst Gegenstand, wird wiederum wahrgenommen und drängt wie jeder andere wahrgenommene Gegenstand zu weiterer Versprachlichung. So entsteht ein unendliches sprachliches Kreisen um die ursprüngliche Wahrnehmung, wenn sie also solche überhaupt noch erkennbar ist. So erscheint das Sprechen als eine rekursive Funktion, an derem Ursprung eine Wahrnehumng liegt, die hinfort sich aber ewig auf sich selbst bezieht. Diese kontinuierliche durchgehende Beziehung der Sprache, i.e. des Denkens, auf sich selbst, diese rekursive verschachtelnde Vergegenständlichung nennen wir Wirklichkeit. verwechselt der Naturwissenschaftler mit der Wirklichkeit. Oder waäre Wirklichkeit die Sammlung "ursprünglicher Gegenstände" welche den Vorgang des Wahrnehmens Betrachtens Bedenkens Aussprechens auslöst und ihm zu Grunde liegt. Die Zyklik des Daseins: Josephs Traum: Nach sieben fetten Jahren kamen sieben magere Jahre. Der Ring des Polykrates von Herodot und Schiller