Dear Marion, Thank you for your sympathetic letter. I am ashamed to report that although I am typing this letter next to the deathbed of my wife of sixty-three years, I feel no despair. As you know, for me DIY (do-it-yourself) has an extraordinary therapeutic effect and helps me to control my sadness. You ask about Margaret and my novels. Döhring's is in fact an anticipation of my present experience. That novel is a study of what NOT to do upon the death of ones wife. You may read my descriptions both of Döhrings Elsbeth and of Katenus' Elly as my tributes to Margaret, I quote from page 25 of Döhring I: Der einzige Ausweg, den er jetzt sah, war eine Reise, wie er sie auf eigene Anregung bisher nie unternommen hatte. Tatsächlich waren alle Ferienreisen an welche Döhring sich jetzt erinnern konnte auf Anlass Elsbeths veranstaltet worden. Unter seinen teuersten Erinnerungenn, waren die verschiedenen Reisen welche er mit ihr ins kanadische Felsengebirge gemacht hatte. Sie war Naturalistin gewesen, hatte über die einzigartig erhabene Landschaft aus Büchern erfahren, und hatte sich entschlossen sie mit eigenen Augen zu sehen. Er war damals, nun schon vor mehr als zwanzig Jahren, widerstandslos und dankbar auf ihre Anregung, eine Bitte hätte man es kaum nennen können, eingegangen, wie er auf alle ihre Vorschläge einging, überzeugt, dass es gut war, aber auch fürchtend, dass, wenn er nicht einwilligte, sie ohne ihn, oder schlimmer noch, mit einem anderen reisen würde, und ihn allein lassen. Allein gelassen zu werden fürchtete er über alles. Damals war ihm die Reise nicht schwer gefallen. Eigenen Wünschen oder Bedürfnissen in dieser Weise nachzugeben, hätte er als Verwöhnung empfunden. Aber den Wünschen seiner Frau nachzukommen und ihre Vorschläge anzunehmen hatte ihm Freude gemacht. Die erste Reise war Vorgängerin mehrerer Wiederholungen geworden. Und bei jeder von ihnen hatte er ein Neues an Erhabenheit und bezaubernder Schönheit in jener Gebirgslandschaft entdeckt. Als er zum ersten Mal am Healy Pass seine Augen über die Alpenwiesen zu dem schneeumrandeten Monarchen, den Königsberg, streifen ließ, da erinnerte ihn die Landschaft die vor ihm lag unwillkürlich an eine Vorstellung der Kindheit, welche auszumalen er sich seit Jahren nicht mehr gestattet hatte, die Vorstellung nämlich von den Auen des Himmels, vom Paradies. Sie lag als unauslöschliches Bild in ihm, die weite grüne, mit schneeigen Bergen umringte und mit kleinen blauen Seen besprengte Wiese. Die vollkommene Schönheit dieser Landschaft hatte ihn überwältigt, und die Fremdheit mit welcher er als Betrachter ihr gegenüber stand, hatte ihn der eigenen Vergänglichkeit gemahnt. Damals hatte ihn die Einsicht ergriffen, dass diese Natur schön war, weil sie von allem Menschlichen wahrhaftig unberührt geblieben, und er hatte mit Schrecken erkannt, dass das Paradiesische nicht nur in der Tröstung des Gemüts und im Frieden des Herzens besteht, sondern in der Freiheit, letztlich also in der Entbundenheit nicht nur vom Menschlichen sondern vom Menschen selbst. Er verstand, dass diese Loslösung vom Menschen konsequenter Weise auch Abwendung von sich selbst, Abwendung vom eigenen Bewusstsein, vom eigenen Ich, bedeuten musste, und diese Erkenntnis wurde ihm die Verheißung seiner eigenen Erlösung. Anfangs war ihm diese Todesfreude die sich damals in ihm entzündete nur eine dunkle Ahnung gewesen, um sich im Laufe der Jahre zu immer größerer Deutlichkeit in seinem Bewusstsein zu steigern, zu einer immer frischer und kräftiger und heller sprudelnden Quelle des Trostes und der Versicherung. Mit dieser Erinnerung lebte er nun, und diese Vorstellung des Paradiesischen hatte wie eine Pflanze in seiner Seele Wurzeln geschlagen, und wuchs und gedeihte in seinem Gemüt. Es war bei den ersten seiner drei Reisen in den kanadischen Westen gewesen, dass sich ihm die Paradiesesvorstellung aufgetan hatte. Bei jeder Rückkehr wurde sie ihm bestätigt, und er vergewisserte sich ihrer Wirklichkeit, aber so stark und eindrucksvoll wie bei der ersten Begegnung hatte er sie nie wieder empfunden. Seine Liebe zu jener paradiesischen Landschaft vermochte er von seiner Liebe zu Elsbeth, seiner verstorbenen Frau, nicht zu trennen, denn Elsbeth war es gewesen, die ihm für jene Schönheit zuerst die Augen geöffnet hatte. Es war ihre Liebe zu den gletschergekrönten Gipfeln und den mit Blumen besprengten Wiesen, die ihn Jahr für Jahr bewogen hatte, dorthin zurückzukehren, so lange, bis Elsbeths Gesundheit die weite Reise nicht mehr erlaubte. Seitdem hatte er die eingesparten Zeit und Kräfte auf Elsbeths Pflege und auf die Förderung seiner geisteswissenschaftlichen Forschungen angewandt. Diese Anstrengungen waren nun zu Ende, denn Elsbeth war gestorben, und ihre Asche hatte er längst, ihrem Wunsche gemäß, in die Wellen des Atlantischen Ozeans gestreut. Bei Dionis auf der Insel Nantucket war er, ein groteskes lächerliches Bild, selbst nur in Badehosen gekleidet, die kleine schon angeschnittene plastische Schachtel in der rechten Hand hoch über der Schulter tragend, bei Ebbe, über den weichen Sand weit hinaus in die seichten Fluten geschritten, bis diese ihm an die Brust reichten, und hatte dann mit drei mächtigen Stößen des erhobenen Armes die Asche seiner Frau von neununddreißig Jahren in die niedrigen Wellen geschleudert. Nicht diese schnell vollendete symbolische Handlung, die Rückreise und die Heimkehr in das leere Haus in der Linnäusstraße waren das Entsetzliche gewesen, welche eine Verwirrung, eine Ratlosigkeit von Geist und Gefühl an den Tag gefördert wenn nicht gar selbst hervorgerufen hatten, wovon er bis heute noch nicht genesen war, und welche ihm die bevorstehende Reise ins kanadische Felsengebirge nicht nur wünschenswert sondern tatsächlich unausweichlich erschienen ließ. Denn so konnte es mit ihm nicht weiter gehen. Und dennoch war es ihm schwer gefallen, sich zu der Reise zu entschließen, und schwerer noch bei dem getroffenen Entschluss zu beharren. Döhring I, S 25-26 It seems quite likely that I am incriminating myself not only in your eyes, but in the judgment of that supreme court in the skies in which it is no longer fashionable to believe, when I confess that the pressing concern of my days and nights is not the failing health and imminent death of my wife, events which I can accept as the ordinances of fate - die Bestimmungen des Schicksals - but my emotional or if you will, spiritual isolation from my siblings-in-law (angeheiratete Geschwister) which this catastrophe makes manifest. That isolation, of course, is the unavoidable consequence of a life-long determination etwas Besonderes zu werden, the result of considering being different from everyone else not a vice but a virtue, in point of fact, the ultimate virtue, imitatio Christi, if I may be forgiven both by yourself and by the aforesaid supreme court for my secularization of a sacred concept. Another apposite citation from my novel: Heinrich schien nicht gewillt auf Döhrings Frage einzugehen. "Ob Jesus göttlich war," sagte er, "brauchen wir nicht zu entscheiden. Es scheint mir unverkennbar, dass Jesus selbst nicht glaubte, Gott zu sein. Er hat sich zwar als Gottes Sohn betrachtet, aber sind denn nicht alle Menschen Gottes Söhne?" "Ich möchte hoffen," sagte Dorothea von ihrem Fensterplatz, "dass Gott auch Töchter hat. Fragen Sie doch, ob nicht alle Menschen Gottes Töchter sind. Dann werden Sie sich ihres Männerchauvinismus klar bewusst." "Entschuldige Heinrich," sagte Döhring, "Dorothea liegt sehr viel an der Frauenfreiheitsfrage. Mir ist sie nicht wichtig. Lass dich bitte nicht stören." Dorothea war zwar über Döhrings Überheblichkeit verärgert, schwieg aber, da sie selbst auch gern hören wollte, was Heinrich weiter zu sagen hatte. Der ließ sich nicht unterbrechen, und fuhr fort, "Jesus hat zwar die Prophezeiungen des Jesaja an sich erfüllt gefunden. Er hat diese Prophezeiungen als Vorschrift für sein eigenes Leben betrachtet. Aber sich selbst als Gott anbeten lassen, das hat er nie getan und das war auch seiner Sendung fremd, denn er war ja in diesem Sinne der Gegengott. Dass Gott Mensch wurde, das war ja sozusagen eine Abschaffung des Göttlichen, insofern als das Göttliche im Gegensatz zum Menschlichen ist. Vielleicht war diese Abschaffung nur möglich durch die Sendung eines Geisteskranken." "Du meinst," fragte Döhring jetzt mit angespanntem Interesse, "dass Jesus tatsächlich geisteskrank war." "Ich weiß nicht ob man sagen soll 'geisteskrank' ohne festzulegen was es heißt geistesgesund zu sein. Man könnte behaupten, dass die ganze Menschheit geisteskrank ist, wie es denn letzten Endes auch von der christlichen Theologie behauptet wird, denn dass Jesus er einzig gesunde war, behauptet sie auch. Verstehen Sie, Herr Professor, es handelt sich ja dabei nur um Worte. Worauf es ankommt ist die Einsicht, dass Jesus radikal verschieden von den Menschen war wie sie damals waren und wie sie heute sind. Die Nachfolge Jesu, die Imitatio Christi, die uns befohlen wird, verlangt von uns dasselbe Anderssein, dieselbe Abtrennung von unseren Mitmenschen, und, wenn wir die normalen Menschen als geistesgesund bezeichnen wollen, dann verlangt die Nachfolge Jesu von uns dieselbe Geisteskrankheit an welcher Jesus litt. Darauf kommt es mir letzten Endes an, so wie Jesus von allen Menschen verschieden war, so will auch ich von ihnen verschieden sein, so wie Jesus im Vergleich mit allen anderen Menschen etwas besonderes war, so will auch ich im Vergleich mit allen anderen Menschen etwas besonderes sein." Dear Marion, at this stage, if you have read this far, the following should be obvious to you: a) that I am misusing this letter to compel you to begin reading my novel, and b) that dementia is infectious and that I have caught Margaret's illness, and that I am, in fact as insane as the Heinrich of my novel some of whose theological expositions I quoted above. Just now, a dramatic scene, which summarizes and encapsulates the present. Margaret had had a bad night. Her moans had woken me at 2 a.m. She complained of pain in her feet, a symptom which I explained by the circumstance that her feet had no support from the mattress. I had placed Margaret so that the feet would project over the end of the bed, protecting the heels from pressure and sores. Margaret is now unable to move her legs, but sensation in them seems to be intact down to her feet. The night was cooler than previous ones; there were more and heavier blankets; and I infer that their weight, from which Margaret, paralyzed from the waist down as she is, could not find relief, made her uncomfortable. I retrieved the hydraulic lift from the hallway, and hoisted Margaret to a height sufficient to reposition her so as to make the feet more comfortable. Margaret seemed relieved and lapsed into apparently deep sleep. Janet had announced herself for 10 a.m. She appeared about half an hour late and sat down in the chair which I had placed next to Margaret's bed. Margaret had been awake, moaning intermittently and made no response when Janet introduced herself: "I am Janet, your sister," but continued intermittently to moan: "Oh Jochen," "This is awful." "Jochen, what shall I do." I was working at my computer on the other side of the room, and after some interval, when Janet had made no response, I got up, went to Margaret, stroked her face and repeated over and over in hypnotizing mode, "Go to sleep, go to sleep." "What shall I do? This is awful, what shall I do?" " Go to sleep, go to sleep," I repeated as I carressed her temple. It was not long until Janet declared that she was leaving. I accompanied her downstairs. Once in the kitchen I repeated my offer that she should visit Margaret as often and whenever she wished, and that she should feel free to stay overnight however long she wanted. Her response was a venomous tirade blaming me for having told Margaret to go to sleep, saying that she, Janet, was not dumb and knew exactly what I meant. She might or might not come again next week, if Margaret were still alive. So now, Marion, as the experienced talk-show hostess, it's for you to unravel this latest episode in the 174 School Street soap opera. Please feel free to telephone at any hour, but allow plenty of time for me to get to the phone. I've unplugged the instrument in the room where Margaret and I are sleeping, so as not to disturb her; I must go across the hallway to answer the phone when it rings. And let me thank you again for your letter. Jochen