Lieber Herr Nielsen, Nun ist auch schon der Januar mehr als zur Hälfte verstrichen, und auch mehr als vier Prozent des kaum angebrochenen Jahres ist verbüßt. Das Trauern Ihrer Schwiegertocher über den Tod der Mutter ist mir unmittelbar gegenwärtig, der ich im Laufe des Lebens den Verlust der Eltern, der einzigen Schwester, und nun nun kürzlich den Tod meiner Frau erlebt habe und fortfahre zu erleben. Dennoch, oder vielleicht deshalb scheue ich als Fremder, vor jeglichem Beileidsausdruck als demütigend zurück, denn wie Shakespeare erklärte: Do not so much as my poor name rehearse. But let your love even with my life decay, Lest the wise world should look into your moan And mock you with me after I am gone. (Sonnet #71) In diesem Zusammenhang ist auch mir in den vergangen Tagen manches widerfahren, so erschütternd dass ein Prosabericht demütigend, vielleicht sogar geschmacklos wäre. Die beiden letzten Sonette deuten an, worum es sich handelt. Gestern, bei seinem abendlichen Besuch, teilte mein Sohn mir mit, eine für den 30. Januar geplante Gedächtnisfeier für meine verstorbene Frau sei abgesetzt. Mich hat man nicht anderweitig benachrichtigt. Sie fragten nach dem Roman. Ich bin mir bewusst ihn vernachlässigt zu haben, vergessen aber nicht. Zur Zeit dünken mich Sonette als Ausdruck des Innenlebens um manches ergiebiger, und ich hoffe verschiedene Gedichte zu schreiben eh ich mich dem Roman aufs Neue zuwende. Vorläufig hält mich das zwölffache Abdrucken der Revisionseingaben auch vom Sonettieren ab. Herzliche Grüße an Sie und Ihre Frau. Jochen Meyer