Lieber Herr Nielsen, Dank für Ihren so wunderbar verständnisvollen Brief. Im Rausch des Dichtens hab ich übertrieben. Die pathologisch gesteigerte Leidenschaft zwischen meiner Frau und mir, hat meine angeheirateten Geschwister verstimmt, hat sie jedoch nie auch nur zu einer Anspielung auf denkbare Ehescheidung bewogen. Wegen Leidenschaftlichkeit auf Scheidung zu sinnen wäre wohl der äußerste Widerspruch. Der Geschwister Anspruch auf einer von Ihnen inszenierte, und von mir völlig getrennte Gedächtnisfeier hat mich zu der übertriebenen Vorstellung einer posthumen Annulierung unserer Ehe verleitet. Meinerseits vielleicht als Ausdruck des unaufhaltsamen Trauerns zu deuten. Ich frage mich jetzt beschämt und reumütig, war es denn wirklich nötig um mir das Bild meiner Frau in meiner Seele zu retten, dass ich ihrer Nichte, betreffs der geplanten Gedächtnisfeier schrieb: "You have invited me to this "memorial service." Even if I'm not asked (or permitted) to speak to the group, most of the participants will seek to speak with me to convey their "condolences". I will reply to them that I consider them to have been lured and seduced by you to participate in a gang rape of Margaret's spirit, a rape by which my spirit is similarly abused, because Margaret's spirit and my spirit are one. I give you fair warning, because if you wish to protect your guests from my thoughts, you can do so simply by withdrawing your invitation. I will not crash your party." oder hab' ich durch diesen Ausbruch das "Bild meiner Frau in meiner Seele" schwer verletzt? (Im zweiten Liebesbrief an meine Frau erklärte ich, dass eine jede unserer Handlungen mit Sünde behaftet ist. Sie wollt mir meinen Ausspruch nicht glauben. Aber diese Woche jedenfalls hat er sich bewährt.) Meine Erklärung kam nicht aus dem Stegreif, entsprang hingegen aus tiefer Überlegung. Meine Liebe flüsterte mir zu, nichts zu tun, die Feierlichkeiten stillschweigend mit oder ohne meine Beteiligung hingehen zu lassen, wäre ein feiger Betrug an unserer Beziehung. Denn es war beabsichtigt, dass eine beträchtliche Anzahl von Menschen die meine Frau weder kannten noch liebten, zusammengetrieben werden sollte, um auf der Bühne meines Lebens ihre Neugier mit Photographien und Anekdoten zu sättigen. Mehr weiß ich jetzt eben nicht zu schreiben. Kehre zurück zum Vervielfältigen meiner Revisionsurkunden, und send Ihnen und Ihrer Frau herzliche Grüße. Jochen Meyer PS Mehr über dies Thema in den Sonetten die von ABC, von der Wirtin und von der Bergblickstraße erzählen.