Heidelberg Lange lieb' ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust, Mutter nennen, und dir schenken ein kunstlos Lied, Du, der Vaterlandsstädte Ländlichschönste, so viel ich sah. Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt, Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt, Leicht und kräftig die Brücke, Die von Wagen und Menschen tönt. Wie von Göttern gesandt, fesselt' ein Zauber einst Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging, Und herein in die Berge Mir die reizende Ferne schien, Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog, Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön, Liebend unterzugehen, In die Fluten der Zeit sich wirft. Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn All' ihm nach, und es bebte Aus den Wellen ihr lieblich Bild. Aber schwer in das Tal hing die gigantische, Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund, Von den Wettern zerrissen; Doch die ewige Sonne goß Ihr verjüngendes Licht über das alternde Riesenbild, und umher grünte lebendiger Efeu; freundliche Wälder Rauschten über die Burg herab. Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal, An den Hügel gelehnt, oder dem Ufer hold, Deine fröhlichen Gassen Unter duftenden Gärten ruhn. ======================================== Künftige Gattin (Parodie) Lange lieb' ich Dich schon, möchte Dich, mir zum Trost, Liebling nennen, und Dir schenken ein kunstlos Lied, Du, der Amerikamädchen Seelenschönste, so viel ich sah. Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt, Schwingt sich über den Menschenstrom, der Dich von mir trennt, Leicht und kräftig die Sehnsucht, Die Dich unter den Ulmen entdeckt. Wie von Göttern gesandt, fesselt' die Liebe einst Auf den Rasen mich an, da ich vorüber ging, Und herein in den Alltag Mir beglückende Zukunft schien, Und mein Denken an Dich fort in die Bläue zog, Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön, Liebend unterzugehen, In die Fluten der Zeit sich wirft. Hoffnungen hattest du mir, hattest mir Flüchtigem Kühle Schatten geschenkt, und die Gedanken sahn All' Dir nach, und es bebte Im Augengedächtnis Dein lieblich Bild. Aber schwer in die Seel' hing der gigantische, Schicksalskundige Raub nieder bis auf den Grund, Von den Wettern zerrissen; Doch die ewige Liebe goß Ihr verjüngendes Licht über das alternde Riesenbild, und umher grünte lebendige Freude; labende Lieder Rauschten über das Leiden herab. Blumen blühen umher, hier wo im heitern Tal Auf des Lebens Grund, am Ufer des Zeitenstroms, Deine Tage gedeihen Und in duftenden Gärten vergehn.