Meine gestrigen Überlegungen betreffs der Sprunghaftigkeit meines Denkens und meiner Unfähigkeit meine Gedanken in einem umfassenden Buch zusammenzufügen, regen mich heute Mittag dazu an, dennoch den Versuch zu machen, in einigen Absätzen die wesentlichsten Anker, - oder sollten sie Bojen genannt werden - festzustellen, mittels derer ich meinen Ort in den Geistesströmungen des Gedankenmeers markiere. Den Kern meiner Gedanken und die Quelle meines Denkens bezeichne ich mit dem Wort Bewusstsein. Damit meine ich mein eigenes Bewusstsein, und dabei wage ich den weiten, gefährlichen Glaubenssprung, the leap of faith, dass ich mich nicht in eigenem Irrsinn verlaufen habe, sondern dass es eine unübersichliche Zahl mir geistig verwandter Wesen gibt, die über ein ähnliches wenn nicht gar über ein gleiches Bewusstseinsvermögen verfügen. Wohlbemerkt ist eine jeden Bewusstsein eine Monade, und als solche mit undurchdringlichem Mantel versiegelt. Das Verhalten und den jeweiligen Inhalt meines Bewusstseins gebe ich die Namen Subjektiv und Subjektivität. Die Beziehung der Subjektivität zu allem das außer ihr besteht, ist der überaus wichtige und dennoch tief dunkle Bereich des Transzendentalen. Das große Geheimnis des Transzendentalen ist dass obgleich Subjektivität mit einem undurchdringlichem Mantel von allem das außerhalb seiner bestehen möchte, getrennt ist, wie etwa von anderen, fremden Subjekten oder von einer vermutlich alle Subjekte gemeinsam umfassenden Außenwelt, so ist es dennoch unverkennbar dass jedes Subjektive mit anderen Subjektiven und mit einer Außenwelt verbunden ist. Diese Außenwelt wäre eine Objektivität die unverbrüchlich von den ihr unterliegenden (subjacent) Subjektivitäten getrennt ist, und die dennoch ungeachtet dieser Trennung, von diesen Subjekten gestiftet und erhalten wird. So lautet die große Entdeckung Immanuel Kants die er als Kopernikanische Wendung bezeichnet. Auch wird das Subjektive von Außersubjektivem gehegt, ernährt und gepflegt. Inwiefern das Subjektive von Außersubjektivem erzeugt wird ist ein Frage, wenn sie vielleicht auch nicht beantwortbar ist, mit weitreichenden Folgen. Die Beziehung der eigenen Subjektivität zu den Subjektivitäten anderer ist ein großes, ungelöstes, heftig umstrittenes Thema. Denn trotz ihrer Einkapselung, streiten verschiedene Subjektivitäten mit einander. Die vermeintliche Schlichtung dieses Streitens verschiedener Subjektivitäten mit einander ist der Gottesbegriff, die Gottesvorstellung, die Gotteshypothese, der Glaube an Gott. Dieser Gedankengang darf nicht als Beweis der Existenz oder Wirklichkeit Gottes gedeutet werden. Hingegen ist dieser Gedankengang der Beweis der Notwendigkeit der Vorstellung eines Gottes den das einzelne Subjekt benötigt, um es in seiner Einsamkeit zu trösten, und um die vielen Subjekte trotz ihres unvermeidlichen Streitens miteinander zu vereinbaren. Eine der wesentlichsten Aufgaben des Denkens ist das Verständnis und die Deutung des Wissensvorgangs. Es ist eine alte, doch fehlerhafte Voraussetzung, dass ich als wissender Mensch wenn ich etwas "weiß" etwas außer mir Bestehendes begreife, und begrifflich in Besitz nehme. Diese Annahme ist gültig in dem beschränktem Sinne, dass ich von der Umwelt in der ich lebe berührt, affiziert, und somit in spezifischer Weise verwandelt werde. Wie ich verschiedentlich schon erwähnte, betrachte ich den durch die ultravioletten Lichtstrahlen der Sonne ausgelösten Sonnenbrand der Haut als prototypisches Wissen, nicht nur weil die Sonne als die "Ursache" der gebräunten Haut erkannt werden muss, wenn nur um gehörige Vorbeugungsmaßnahmen um Schlimmeres zu verhüten anzustrengen zu vermögen, aber auch, und besonders, weil die verbrannte Haut keine optische (akustische oder taktile) Ähnlichkeit mit der Sonne aufweist. Was mein Gemüt von außen anregt und zum Wissen reizt, setzt Vorgänge in Gang welche die Ursache abbilden oder nachbilden. So löst der Wissensreiz, wenn ich ihn so nennen darf, im Gemüt eine Vorstellungsentwicklung aus, welche zunehmend zu der Vervollständigung eines Bildes oder Modell des Äußeren beiträgt, ein Bild oder Modell auf welches ich mich hinfort in meinen Beziehungen zu meiner Umwelt verlassen kann und muss, wenn nur weil ich über keinen anderen Zugang zu dieser äußeren Wirklichkeit verfüge. Es bleibt jedoch ein Modell von begrenzter Gültig- und Verlässlichkeit, das nie vervollkommnet zu werden vermag, aber das unablässig fortzubilden, die Aufgabe der Wissenschaften ist. So habe ich die Grundrisse der Seelenlehre, der Seinslehre und der Wissenslehre auf die ich mich verlasse, aufgezeichnet. Nun gilt es das Wesen, das Ziel und die Kontrolle des Handelns zu beschreiben.