Ich habe verschiedentlich betont, in welchem Maß die Sprache sich aus den Gesprächen zwischen zwei oder mehr Menschen entwickelt, und nicht nur, sozusagen, mit einem Fuß im Gemüt des Einzelnen steht, sondern zugleich mit dem anderen Fuß im Gemüt der Gesellschaft, wenn es ein solches gibt, und wenn nicht, dann in den Gemütern der Gesellschaftsmitglieder, vorausgesetzt dass es vorstellbar ist, ein Fuß vermöchte in unzähligen Gemütern zu stehen. Der mathematische Satz, der Satz der Mathematik, wenn ich ihn recht verstehe, entspringt dem Gemüt des Einzelnen als dessen Ausdruck, als dessen Spiegelbild, (Then felt I like some watcher of the skies When a new planet swims into his ken) überlebt und verbreitet sich, wenn er, und in dem Maße in welchem er, in den Gemütern anderer einen Anklang (Resonanz) findet. So dient die gesellschaftliche Begutachtung als ein Filter welcher die Gültigkeit des neu entsprungenen Satzes erstellt (etabliert establishes). Dessen Gültigkeit liegt also in seiner gesellschaftlichen Annehmbarkeit und wird erst durch diese bestätigt. Die gesellschaftliche Resonanz welche mathematische Behauptungen bestätigt erscheint als ein Filter der vorerst die Richtigkeit oder Wahrheit einer gegebenen mathematischen Feststellung zu bestimmen scheint, erscheint in weiterer Perspektive aber auch als ein Filter mittels dessen das Wesen der Wahrheit überhaupt untersucht zu werden vermag. In historischer Perspektive ist die Gesamtheit von Vergangenheitsvorstellungen ein Mythos der durch den Glauben und nur durch den Glauben bestätigt wird. In diesem urgründigsten Sinne ist jeder Glaube Glaube an Mythos, Glaube an den Unsinn der Religion. Dieser Glaube an die Religion ist das Vorbild des modernen, zeitgenössischen Glaubens an die Wirklichkeit unserer Gegenwart. Das wesentlichste und vielleicht entscheidende Derivativ der Maskerade des Mythos als Geschichte, ist mein Vorschlag, ist meine Vermutung, dass wir unsere vermeintlichen Erkenntnisse der Vergangenheit, und ins Besondere, die vermeintlichen Erkenntnisse des Glaubens nicht entbehren können, eben weil sie im Grunde vom Vergangenheitsmythos ununterscheidbar sind, genauso wie meine Gegenwart in meine Vergangenheit verschmilzt und letztendlich von dieser untrennbar, ununterscheidbar ist.