See the happy moron, he doesn't give a damn. I wish I were a moron, by God, perhaps I am. Es ist wohl kein Zufall, dass die Relativitätstheorieen sich um kaum fassbare Größen bemühen, und dass die Quantenmechanik sich mit dem kaum denkbaren Kleinsten befasst. Denn das Dazwischenliegende welches sich im Bereich der Anschauung befindet, wird von der Anschauung beherrscht, und ist von der Anschauung gegen die Ansprüche und Angriffe der mathematischen Symbolik gefeit. Vielleicht ist die Mathematik, allenfalls in ihren Ausschreitungen, vergleichbar mit einem Krebs der Gewebe, mit einem Karzinom des Geistes, welches das Anschauungsvermögen lähmt und das Denken vergiftet indem es sein Opfer seelisch zugrunde richtet. Ich bedenke das zähe Gedächtnis des Kindes und jungen Menschen dessen Gemüt sich gestaltet indem es sehr inständig erinnert und seine Umwelt weitgehend assimiliert; und vergleiche es mit der Vergesslichkeit des alten Mannes dessen Gemüt dem schwer Begreiflichen, wie etwa in meinem Falle der Mathematik, da diese halb vergessen, es nicht mehr so schwer belastet, weniger befangen entgegensteht, weil die Schwäche seines Gedächtnisses ihn vor dem ihm Unverständlichen schützt. Es ist sogar vorstellbar dass die Gedächtnisschwäche den alten Mann von der Last alldessen das anderweitig verlangte erinnert zu werden befreit, ihn vor ihren Ansprüchen und Angriffen schützt, und ihm somit Gedankenausflüge ermöglicht welche ihm anderweitig verbaut wären. Eine entsprechende Freiheit zu denken möchte jedenfalls zum Teil die renommierte Weisheit des alten Menschen erklären. Meine Beschäftigung mit dem Herkules Mythos erinnerte mich an BWV 213. Das ist eine Geburtstagskantate aus dem Jahre 1733 für den dreizehn Jahre jungen Prinz Friedrich von Sachsen. Im folgenden Jahr erschienen Parodien des Eingangschors und verschiedener Arien dieses Stückes im Weihnachtsoratorium. Mich interessierte die Möglichkeit dass die erwähnte historische Analogie zwischen Jesus und Herkules diesen Entlehnungen zugrunde liegt. Nachdem ich den Kantatentext nachgelesen und die Musik angehört habe, scheint mir eine solche Beziehung allerdings unwahrscheinlich. Aber der Vergleich der beiden Musikstücke ist für die religiösen und gesellschaftlichen Umstände des damaligen Leipziger geistigen Lebens aufschlussreich. Vielleicht aber aufschlussreicher noch für die Grenzen meines Verständnisses dieser bewunderten Kunst. "Die Wahl des Herkules" ist eine pädagogische Kantate, ist vielleicht als Konfirmandenübung in den Zeiten der Aufklärung zu deuten. Der dem jungen Prinzen vorbildliche Herkules wird vor die Wahl zwischen Lust und Tugend gestellt. Diese Wahl hat Wagner bekanntlich auf der Wartburg, nein, vielmehr im Venusberg, von seinem Helden Tannhäuser nachvollziehen lassen. Der Vergleich der verschienen Texte zu den Eingangschören der beiden Werke besagt viel über die Beziehung der Musik zu den Worten. In der Herkules Kantate lautet Der Ratschluss der Götter: Lasst uns sorgen, lasst uns wachen Über unsern Göttersohn. Unser Thron Wird auf Erden Herrlich und verkläret werden, Unser Thron Wird aus ihm ein Wunder machen. und verwandelt sich im Weihnachtsoratorium die fromme Anweisung, Fallt mit Danken, fallt mit Loben vor des Höchsten Gnadenthron! Gottes Sohn will der Erden Heiland und Erlöser werden, Gottes Sohn dämpft der Feinde Wut und Toben. Dann fragt Friedrich-Herkules nach dem rechten Weg: Und wo? Wo ist die rechte Bahn, Da ich den eingepflanzten Trieb, Dem Tugend, Glanz und Ruhm und Hoheit lieb, Zu seinem Ziele bringen kann? Vernunft, Verstand und Licht Begehrt, dem allen nachzujagen. Ihr schlanken Zweige, könnt ihr nicht Rat oder Weise sagen? und bekommt eine Antwort von der zuständigen Liebesgöttin: Schlafe, mein Liebster, und pflege der Ruh, Folge der Lockung entbrannter Gedanken. Schmecke die Lust Der lüsternen Brust Und erkenne keine Schranken. diese Verlockung verwandelt sich im Weihnachtsoratorium in ein Wiegenlied. Da heißt es: Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh, Wache nach diesem vor aller Gedeihen! Labe die Brust Empfinde die Lust, Wo wir unser Herz erfreuen! Es folgt in der Herkules Kantate eine musikalische Auseinandersetzung zwischen Wollust und Tugend welche bei dem jungen Herkules Unschlüssigkeit auslöst die in einer Echo-arie zum Ausdruck kommt: Treues Echo dieser Orten, Sollt ich bei den Schmeichelworten Süßer Leitung irrig sein? Gib mir deine Antwort: Nein! (Echo) Nein! Oder sollte das Ermahnen, Das so mancher Arbeit nah, Mir die Wege besser bahnen? Ach! so sage lieber: Ja! (Echo) Ja! Diese kunstvolle Arie wird im Weihnachtsoratorium parodiert: Flößt, mein Heiland, flößt dein Namen auch den allerkleinsten Samen jenes strengen Schreckens ein? Nein, du sagst ja selber nein. (Nein!) Sollt ich nun das Sterben scheuen? Nein, dein süßes Wort ist da! Oder sollt ich mich erfreuen? Ja, du Heiland sprichst selbst ja. (Ja!) Die Schmeichelworte der Wollust werden inbegriffen dem Sterben gleichgestellt, und das Ermahnen "so mancher Arbeit nah" dem "süßen Wort" des Namens des Heilands. Das Echo des Todes das die Selbstverständlichkeit des Lebens verunsichert, hat sein Gegenstück im verlockenden Echo der Wollust das aller frommen Anstrengungen zuwider, in den edlen Bereich der Tugend dringt. Aber entscheidend verbündet Herkules sich mit der Tugend, und die Tugend verspricht ihm: Auf meinen Flügeln sollst du schweben, Auf meinem Fittich steigest du Den Sternen wie ein Adler zu. Und durch mich Soll dein Glanz und Schimmer sich Zur Vollkommenheit erheben. Die Parodie im Weihnachtsoratorium lautet: Ich will nur dir zu Ehren leben, Mein Heiland, gib mir Kraft und Mut, Daß es mein Herz recht eifrig tut! Stärke mich, Deine Gnade würdiglich Und mit Danken zu erheben! Die Begleitung mit Oboe und Flöte in der Herkules Kantate wird im Weihnachtsoratorium durch zwei Violinen ersetzt. Seit Jahren meine ich in den Noten der zwei Geigen das Flügelpaar des Vogels zu hören. Diese Annahme wird heute von der Entdeckung geschwächt, dass ursprünglich es eine Oboe war die den Flug des Adlers beschreibt, und die erst im Weihnachtsoratorium wo nicht mehr von Fittichen sondern von Ehren gesungen wird, von einer Geige abgelöst wird. Die mahnende Predigt der Tugend überzeugt den jungen Herkules. Er weist die Wollust von sich ab: Verworfene Wollust, ich kenne dich nicht. Denn die Schlangen, So mich wollten wiegend fangen, Hab ich schon lange zermalmet, zerrissen. Diese Bekehrung zur Tugend hat ihre Parodie in der außerordentlich eindruckswollen etwas erweiterten Eingangsarie des Weihnachtsoratoriums, wo die verworfene Wollust, mit einem Heiligenschein gekrönt, in Bezug auf den Heiland schließlich doch annehmbar erscheint: Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben Den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn! Deine Wangen Müssen heut viel schöner prangen, Eile, den Bräutigam sehnlich zu lieben! Das Rezitativ (Alt) Geliebte Tugend, du allein Sollst meine Leiterin Beständig sein. Wo du befiehlst, da geh ich hin, Das will ich mir zur Richtschnur wählen. (Tenor) Und ich will mich mit dir So fest und so genau vermählen, Dass ohne dir und mir Mein Wesen niemand soll erkennen. (beide) Wer will ein solches Bündnis trennen? obgleich die Zeilen nicht wiederholt werden, erinnert an die Arie in Kantate 16, sieben Jahre zuvor komponiert: Geliebter Jesu, du allein Sollst meiner Seelen Reichtum sein. Wir wollen dich vor allen Schätzen In unser treues Herze setzen, Ja, wenn das Lebensband zerreißt, Stimmt unser gottvergnügter Geist Noch mit den Lippen sehnlich ein: Geliebter Jesu, du allein Sollst meiner Seelen Reichtum sein. In ihrer sinnlichen Leidenschaftlichkeit erinnert 11. Aria (Duetto) A T Viola I/II, Continuo (Alt) Ich bin deine, (Tenor) Du bist meine, beide Küsse mich, Ich küsse dich. Wie Verlobte sich verbinden, Wie die Lust, die sie empfinden, Treu und zart und eiferig, So bin ich. an die 19 Jahre zuvor komponierte Kantate 172 wo das Bündnis zwischen der Seele (S), und dem Heiligen Geist (A) gefeiert wird. (Sopran) Komm, lass mich nicht länger warten, Komm, du sanfter Himmelswind, Wehe durch den Herzensgarten! (Alt) Ich erquicke dich, mein Kind. (Sopran) Liebste Liebe, die so süße, Aller Wollust Überfluss, Ich vergeh, wenn ich dich misse. (Alt) Nimm von mir den Gnadenkuss. (Sopran) Sei im Glauben mir willkommen, Höchste Liebe, komm herein! Du hast mir das Herz genommen. (Alt) Ich bin dein, und du bist mein! Heute Morgen ertönt mir in den beiden sich gegenseitig wollüstig liebenden Männerstimmen in dieser säkularen Erziehungskantate ein Lob gleichgeschlechtlicher Leidenschaft; indessen im Weihnachtsoratorium wie in so vielen anderen Bachkantaten die Liebe zwischen Braut und Bräutigam als vorbildlich für die Liebe zum Gott und zum Göttlichen gepriesen wird. Die beiden vorgehenden Zitate des religiösen Mythos als Vorlagen für menschliche Leidenschaft (oder umgekehrt) möchte ich als unbestimmte Möglichkeiten vorerst unbeantwortet lassen, denn sie scheinen mir ein aufklärendes Licht zu werfen, auf die Verhältnisse zu einander von Musik, Sprache, von geistigem und körperlichem Erleben. In den Vordergrund meines Bewusstseins drängt sich das Mysterium des Symbols, sei es des Wortes, sei es der mathematischen Ziffer, wie sie verlangen verstanden und verinnerlicht zu werden, um dann als mein eigenstes Erzeugnis, sei es als Prosa, als Dichtung, oder als mathematische Darstellung meinen Geist mir selber und möglicherweise meinen Mitmenschen zu bestätigen. Dabei fällt mir die Beschränktkeit des Maßes der ursprünglichen Bestimmtheit auf, sei es der Bedeutung gegebener Dichtung oder der Bedeutung gegebener mathematischer Formeln; dies im Vergleich mit dem Umfang meiner eigenen Deutungen. So etwa meine theologische Erklärung des hebräischen Gottes als einen eifrigen Vater dem sein "eingeborener" Sohn so unerträglich ist, dass er ihn zerstört, ähnlich wie Kronos seine Söhne zerstörte indem er sie unmittelbar nach ihrer Geburt verschluckte. So etwa auch meine theologische Deutung des Jesus von Nazareth als (unehelicher) Sohn einer "alleinerziehenden" Mutter, der sich so dringend nach einem Vater sehnte, dass in der phantasiedurchtränkten Atmosphäre einer Rabbinerakademie, Jesus sich eigenwillig den anderweitig unerbittlichen und unerreichbaren Gott zu seinem Vater bestimmte; und der sich dann, anerkannt als Prophet, kreuzigen ließ, nein nicht in Vertrauen auf seine göttliche Sohnesschaft, sondern aus tiefem Zweifel an diese Sohnesschaft und um diese zu beweisen, ließ er sich kreuzigen, in der verzweifelten Zuversicht dass sein göttlicher Vater ihn im letzten Augenblick, um die zwölfte Stunde, noch erretten würde; und als er zu allerletzt einsah wie sehr er sich getäuscht hatte, unmittelbar vor seinem Tode schrie: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen." Daraufhin rächte sich Jesus von Nazareth an dem ersehnten Vater der ihn im Stich gelassen hatte, indem er, Jesus von Nazareth, nicht nur von den Toten auferstand und sich als unsterblich erwies, - ein menschliches Bedürfnis weswegen der gleichgültige göttliche Vater einst den des Jesus von Nazareth älteren Bruder Adam aus dem Edenparadies vertrieben hatte, - sondern sich selber, Jesus von Nazareth, wenn nicht als Gegengott, dann jedenfalls als Nebengott bewies, indem er in den Himmel auffuhr und sich neben dem Vater der nichts von ihm hatte wissen wollen, einen Thron einrichtete, um nun gemeinsam mit jenem die Welt zu regieren und die Menschen um ihre Tugenden und Laster zu richten, zu belohnen und zu strafen. Indem ich dies schreibe, wird mir das Wesen dieses Mythos, und vielleicht das Wesen von jeglichem Mythos klar, insofern als die Gedanken des Wiedererzählers, in diesem Falle meiner selbst, (weit) über die gegebene Geschichte hinaus streben, und dem wiedererzählten Mythos den eigenen Geist, und eigenes Verständnis aufprägen. An dieser Einsicht werde ich mich auch bei meinem Unverständnis oder Verständnis der mythischen Mysterien der Mathematik und der Physik orientieren. Vorerst aber zurück zur Theologie, ins Besondere zu den Mythen von Herkules oder Heracles, den von seiner Stiefmutter Hera lebenslang verschmähten unehelichen Sohn ihres monumental untreuen Gatten Zeus und seiner irdischen vorübergehend Geliebten Alkmene. Obgleich er seine Stiefmutter Hera zu beschwichtigen Heracles genannt worden war, unterließ Hera es nicht ihn sein Leben lang zu verfolgen. In einem eigenen Beitrag zum Herkulesmythos, erzählte ich vormals, es sei die Eifersucht seines Pflegevaters Amphytrion gewesen, die Herkules von den Armen seiner Mutter Alkmene entrissen hatte. Jedoch, eine noch mehr erschütternde Variante des Mythos, der ich mich bereitwillig füge, berichtet dass Heras Eifersucht von einem Ausmaß war, dass sie Alkmenes mütterliche Liebe überwältigte, so dass Alkmene, aus Furcht vor Heras Wut, ihren Säugling aussetzte. Es macht nichts. Auch in dieser Gestalt ist die Geschichte Schrot für meine Gedankenmühle, für mein Bedürfnis dem Herkulesmythos beizutragen mit der Erklärung dass wie Jesus von Nazareth eines göttlichen Vaters bedurfte, so bedurfte Herkules eine menschliche Mutter. Ich bin mir bewusst, dass ich mich in mir unerlaubte Bereiche der Psychoanalyse versteige, wenn ich vorschlage die zwölf großen Heldentaten des Herkules wären ein Versuch die Gunst seiner Mutter zurückzugewinnen; ins Besondere, sein Säubern der Augiasställe sei "nichts mehr" als ein Versuch sich seiner Mutter Alkmene mit seiner Kompetenz im häuslichen Saubermachen anzubiedern. Jetzt auf umgeschlagener Seite und auf neu aufgezogener Saite, in dem Bestreben unironischer Erläuterung des Vorigen, frage ich mich, und frage ich Euch, ob die so anspornende und so bedrückende mathematisch-physikalische Überlieferung, als psychologische und soziologische Erscheinung mit der Überlieferung des vorgehend erzählten religösen Mythos zulängliche Ähnlichkeit aufweist, die es sinnvoll machte mein Unverständnis oder Verständnis der besagten naturwissenschaftlichen Überlieferung an meinem Unverständnis oder Verständnis des religiösen Mythos zu messen. Das einschlägige Stichwort ist "Glaube", als der dem protestantischen Geist unerlässliche Schlüssel zur Freiheit und zur Seligkeit. Ich frage mich, und ich frage Euch, ist es möglich zu musizieren ohne an die Musik zu glauben? Ist es möglich zu rechnen ohne an das Rechnen zu glauben? Ist es möglich Mathematiker zu sein (bzw. zu mathemathesieren) ohne an die Mathematik zu glauben? Ist es möglich ein Physiker zu sein, ohne an die Physik zu glauben? Erlaubt mir bitte, es umgekehrt auszudrücken. Zeigt mir bitte einen Musiker der nicht an die Musik "glaubt", einen Mathematiker der nicht an Rechnen glaubt, einen Denker, wie immer ironisch und zweifelnd, der nicht ans Denken glaubt. Gebt ihr mir recht, wenn ich vorschlage, dass der religiöse "Glaube" seit mindestens zwei tausend Jahren unser Geistesleben beherrscht hat? Ich wäre Euch zu viel Dank verpflichtet, wenn ihr mich zu überzeugen vermöchtet, dass der zeitgenössische Glaube an die Lehren der Mathematiker und Physiker, ein grundsätzlich anderer Glaube ist als der Glaube an die Propheten, an den Heiland, an die olympischen Götter einbeschlossen Hercules. Bis dann beabsichtige ich die Methoden meiner skeptischen theologischen Erwägungen auf meine bevorstehenden Bemühungen auf den verschiedenen Gebiete der Geistes- und Naturwissenschaften zu erstrecken. Anhang: Text der Bachkantate 213 (BWV 213) Die Wahl des Herkules Wollust (S), Herkules (A), Tugend (T), Merkur (B) 1. Coro Corno da caccia I/II, Oboe I/II, Violino I/II, Viola, Continuo Ratschluss der Götter Lasst uns sorgen, lasst uns wachen Über unsern Göttersohn. Unser Thron Wird auf Erden Herrlich und verkläret werden, Unser Thron Wird aus ihm ein Wunder machen. 2. Recitativo A Continuo Und wo? Wo ist die rechte Bahn, Da ich den eingepflanzten Trieb, Dem Tugend, Glanz und Ruhm und Hoheit lieb, Zu seinem Ziele bringen kann? Vernunft, Verstand und Licht Begehrt, dem allen nachzujagen. Ihr schlanken Zweige, könnt ihr nicht Rat oder Weise sagen? 3. Aria S Violino I/II, Viola, Continuo Schlafe, mein Liebster, und pflege der Ruh, Folge der Lockung entbrannter Gedanken. Schmecke die Lust Der lüsternen Brust Und erkenne keine Schranken. 4. Recitativo S T Continuo Sopran Auf! folge meiner Bahn, Da ich dich ohne Last und Zwang Mit sanften Tritten werde leiten. Die Anmut gehet schon voran, Die Rosen vor dir auszubreiten. Verziehe nicht, den so bequemen Gang Mit Freuden zu erwählen. Tenor Wohin, mein Herkules, wohin? Du wirst des rechten Weges fehlen. Durch Tugend, Müh und Fleiß Erhebet sich ein edler Sinn. Sopran Wer wählet sich den Schweiß, Der in Gemächlichkeit Und scherzender Zufriedenheit Sich kann sein wahres Heil erwerben? Tenor Das heißt: sein wahres Heil verderben. 5. Aria A Oboe d'amore, Continuo Treues Echo dieser Orten, Sollt ich bei den Schmeichelworten Süßer Leitung irrig sein? Gib mir deine Antwort: Nein! (Echo) Nein! Oder sollte das Ermahnen, Das so mancher Arbeit nah, Mir die Wege besser bahnen? Ach! so sage lieber: Ja! (Echo) Ja! 6. Recitativo T Continuo Mein hoffnungsvoller Held! Dem ich ja selbst verwandt Und angeboren bin, Komm und erfasse meine Hand Und höre mein getreues Raten, Das dir der Väter Ruhm und Taten Im Spiegel vor die Augen stellt. Ich fasse dich und fühle schon Die folgbare und mir geweihte Jugend. Du bist mein echter Sohn, Ich deine Zeugerin, die Tugend. 7. Aria T Oboe I, Violino I, Continuo Auf meinen Flügeln sollst du schweben, Auf meinem Fittich steigest du Den Sternen wie ein Adler zu. Und durch mich Soll dein Glanz und Schimmer sich Zur Vollkommenheit erheben. 8. Recitativo T Continuo Die weiche Wollust locket zwar; Allein, Wer kennt nicht die Gefahr, Die Reich und Helden kränkt, Wer weiß nicht, o Verführerin, Dass du vorlängst und künftighin, So lang es nur den Zeiten denkt, Von unsrer Götter Schar Auf ewig musst verstoßen sein? 9. Aria A Violino I, Continuo Ich will dich nicht hören, ich will dich nicht wissen, Verworfene Wollust, ich kenne dich nicht. Denn die Schlangen, So mich wollten wiegend fangen, Hab ich schon lange zermalmet, zerrissen. 10. Recitativo A T Continuo Alt Geliebte Tugend, du allein Sollst meine Leiterin Beständig sein. Wo du befiehlst, da geh ich hin, Das will ich mir zur Richtschnur wählen. Tenor Und ich will mich mit dir So fest und so genau vermählen, Dass ohne dir und mir Mein Wesen niemand soll erkennen. beide Wer will ein solches Bündnis trennen? 11. Aria (Duetto) A T Viola I/II, Continuo Alt Ich bin deine, Tenor Du bist meine, beide Küsse mich, Ich küsse dich. Wie Verlobte sich verbinden, Wie die Lust, die sie empfinden, Treu und zart und eiferig, So bin ich. 12. Recitativo B Violino I/II, Viola, Continuo Schaut, Götter, dieses ist ein Bild Von Sachsens Kurprinz Friedrichs Jugend! Der muntern Jahre Lauf Weckt die Verwunderung schon itzund auf. So mancher Tritt, so manche Tugend. Schaut, wie das treue Land mit Freuden angefüllt, Da es den Flug des jungen Adlers sieht, Da es den Schmuck der Raute sieht, Und da sein hoffnungsvoller Prinz Der allgemeinen Freude blüht. Schaut aber auch der Musen frohe Reihen Und hört ihr singendes Erfreuen: 13. Coro e Arioso B Corno I/II, Oboe I/II, Violino I/II, Viola, Continuo Chor der Musen Lust der Völker, Lust der Deinen, Blühe, holder Friederich! Bass Deiner Tugend Würdigkeit Stehet schon der Glanz bereit, Und die Zeit Ist begierig zu erscheinen: Eile, mein Friedrich, sie wartet auf dich. Besetzung Soli: S A T B, Coro: S A T B, Corno da caccia I/II, Oboe d'amore, Oboe I/II, Violino I/II, Viola I/II, Continuo Entstehungszeit 5. September 1733