Die Bedeutung der Mediävistik möchte sein, mir den Weg zum Verständnis der Gegenwart zu weisen. Wie sich die mir unverständliche und auch eigentlich unsympathische Scholastik des Mittelalters als Muster, als Vorlage zum "Verständnis" der zeitgenössischen Quantenmechanik anbietet, so möchte auch die auf Äußerlichkeiten gerichtete Darstellung der Nibelungenfamilientragödie sich zur Vorlage auf Reichtum und Armut, auf Weite und Begrenzung modernerer Literatur anbieten. Am bedeutendsten: Wäre vielleicht, Peter Wapnewskis Ablehnung des ernsten Gesprächs, das er letztendlich als trivialisierend rügt, zugunsten gesellschaftlicher Plaudereien in denen er unscheinbare Tiefen zu erkennen, oder allenfalls zu ahnen wähnt, die triftige Widerlegung meines eigenen zwangsmäßigen Beharren auf geistig bedeutsame Unterhaltung, und nebenbei erwähnt, Korrespondenz, "Tearing up the floor-boards" in den beklagenden Worten meiner Schwiegermutter? Da gebe ich ihm recht, wie ich grundsätzlich in anaximandrischem Ton - wenn nicht Geist - mich auf Grund des ledigen Hierseins als schuldig behaupte, wie ich grundsätzlich alle meine Kläger mit "mea culpa" empfange und entlasse. Mag sein, dass alles Fremde, alles Nichtverstandene sich als Schlüssel, Aufschluss und Lösung für die Unzulänglichkeit des vermeintlich Verstandenen anbietet und aufdrängt. Ist nicht das Nibelungenlied ein Lesedrama, eine Lesetragödie? Womit, oder worin, unterscheidet sie sich von King Lear? Ließe es sich mit den Erklärungen von Aristoteles über Tragödie als Stifterin von Jammer und Schaudern erläutern? Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer (eleos) und Schaudern (phobos) hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt.“ Poetik Kap. 6, 1449b24ff. περὶ δὲ τραγῳδίας λέγωμεν ἀναλαβόντες αὐτῆς ἐκ τῶν εἰρημένων τὸν γινόμενον ὅρον τῆς οὐσίας. ἔστιν οὖν τραγῳδία μίμησις πράξεως σπουδαίας καὶ τελείας μέγεθος ἐχούσης, ἡδυσμένῳ λόγῳ χωρὶς ἑκάστῳ τῶν εἰδῶν ἐν τοῖς μορίοις, δρώντων καὶ οὐ δι᾽ ἀπαγγελίας, δι᾽ ἐλέου καὶ φόβου περαίνουσα τὴν τῶν τοιούτων παθημάτων κάθαρσιν. We must now treat of tragedy after first gathering up the definition of its nature which results from what we have said already. Tragedy is, then, a representation of an action that is heroic and complete and of a certain magnitude—by means of language enriched with all kinds of ornament, each used separately in the different parts of the play: it represents men in action and does not use narrative, and through pity and fear it effects relief to these and similar emotions