Schließlich war es vorauszusehen, was ich nicht wissen kann, kann keiner wissen; was ich nicht weiß, weiß keiner. Wenn es Wissende gäbe, wie hielte ich es aus kein Wissender zu sein, also gibt es keine Wissenden. Wenn es Götter gäbe, wie hielte ich es aus kein Gott zu sein, also gibt es keine Götter. Wenn es ehrliche Menschen gäbe, wie hielte ich es aus, kein ehrlicher Mensch zu sein, entweder also gibt es keine ehrlichen Menschen, oder ich bin ein ehrlicher Mensch. The wheel has come full circle, hat mein Freund Aloysius McCabe Murphy gesagt. Schließlich ist es mir aufgegangen, (it dawned on me) als ich las dass Wolfgang Pauli den Nobelpreis infolge von Einsteins Empfehlung (Nominierung) erhielt oder erhalten haben soll. Schon lange war's mir ein Rätsel, wie denn die Nobelpreis Entscheidungen sinnvoll getroffen werden, da doch um dies zu tun das Komitee allwissend, göttergleich sein müsste, wo doch der Erwählte wenn nicht alles, so dann doch etwas wusste das kein anderer versteht. Und die Antwort: Die Antwort ist Bestechung. Es lebe Adam Smith. Der Preisträger ist wer immer das Komitee am großzügigsten vergütet. Nein nicht mit Geld, sondern mit Anerkennung, mit Ehre, mit Ruhm. Denn Ruhm ist ja letzten Endes das einzige oder jedenfalls das wesentlichste was das Komitee zu vergeben hat, und worum es stets besorgt sein muss. Um seinen Ruhm zu bewahren lässt sich das Komitee bezahlen, nein nicht mit Dollar, Pounds oder Euros, sondern mit dem Ruhm den es ausgeteilt hat. Die vorigen Empfänger haben mit dem Ruhm der ihnen einst übermacht worden war, gewuchert. Haben mit ihm Zinseszinsen verdient, und geben nun einen gebührigen Ruhmesanteil zurück, in dem sie Charles Jennens demütige Worte, O King, your favors with delight I take, but must refuse your praise, for every pious Israelite to God alone that tribute pays," verschlucken, sonst hätten sie den Preis, nein, nicht abgelehnt, sondern angenommen mit den kargen Worten: Just the money, please, keep the praise. Es ist unausweichlich, dass ich zu euch sage, was ich nicht verstehe ist unverständlich, und wenn ihr dennoch behauptet und damit hausieren geht dass ihr das Unverständliche versteht, dann seid ihr Narren oder Gauner. Die Wahl sei eure. Der Spieß aber will umgekehrt sein, denn wenn ich behaupte zu verstehen dass das Unverständliche unverständlich ist, dann behaupte ich diese Unverständlichkeit zu verstehen. Wenn aus Neid, erweise ich mich als Gauner, und wenn aus Stumpfheit gegen den Widerspruch als Narr. Heute Nachmittag meine ich zu verstehen, dass es uns Menschen von jeher ein Bedürfnis wenn nicht gar eine Notwendigkeit ist, dass unser Leben darin besteht, unserm Dasein Ausdruck zu verleihen. Ich verfüge über Können und Wissen. Das Wissen über das Können ist Wissen wie, das Wissen über das Wissen ist Wissen was. Mitteilung unter uns Menschen ist symbolbedingt. Ich übernehme, finde oder erfinde Worte - oder Rechenzeichen - mit denen ich auf das was ich sehe, höre, denke, erinnere, vorstelle hinweise. Diese Hinweise ermöglichen meinen Nachbarn allenfalls das was außer uns ist gleichfalls wahrzunehmen; wir benennen das Wahrgenommene (das Erschaute) mit einem bestimmten Wort, als Verständnissiegel das wir mit einander austauschen. Ähnliches geschieht zum Beispiel in der eukleidischen Geometrie. Bei den Wissenschaften aber, besonders bei der Mathematik wird das Verhältnis zwischen unmittelbarer Anschauung und einschlägiger Erläuterung zunehmend umständlicher; und es bedarf längerer und weiterer Aus- und Einübungen um von der Einübung in und durch Symbolgefüge zu einer gültigen Anschauung zu gelangen, wobei dann beim Schüler und beim künftigen Lehrer das Bestehen einer wirksamen Anschauung lediglch dadurch offenbar wird, dass der Schüler "gelernt" hat ihm vorgelegte Probleme, "Aufgaben", Fragen auf vor ihm geheimgehaltene "Antworten" zu "lösen". Dabei handelt es sich um die Eingliederung des Geists des Schülers in den Geist der Gesellschaft, in den Geist der Klasse. Die Bestimmtheit, die Gültigkeit, die "Wahrheit" des Gemeinschafts- des Gesellschaftswissens ist nicht unbedingt. Es beruht nur zum Teil auf natürlicher Selbstverständlichkeit. Denn wenn das mathematische Wissen selbstverständlich wäre, bedürfte es keiner mathematischen Fakultäten, bedürfte es keiner "Universtätsausbildung". Das völlig natürlich Rechnen würde ein jeder von selbst lernen, würde ein jeder sich selbst beibringen. Der Fortschritt, die Fortbildung in den Wissenschaften, besonders in der Mathematik, geschieht wenn ein begabter Schüler seiner Klasse, seinen Lehrern überlegen ist, und auf Grund seiner Einsichten und Anschauungen neue Symbole, Zusammenhänge und Formen entdeckt oder erfindet, und diese seinen Klassenkameraden und seinen Lehrern mit Unverfrorenheit aufdrängt. Durch die Unverfrorenheit mit welche der Schüler sich und seine Entdeckungen und Erfindungen seiner geistig-gesellschaftliche Umwelt beibringt, erntet er Anerkennung Einfluss und Ruhm. Das gemeinschaftliche Wissen verändert sich. So wird es vom Strom der Zeit fortgetragen. Das Alte wird vom Neuen ersetzt; weil es neu ist, muss es besser sein. Jede Änderung die sich im Rahmen der Zeit vollzieht heißt Fortschritt. Die Veränderungen, die Verwandlungen, der Fortschritt des Denkens in den Wissenschaften bekundet sich durch die Einführung von neuen Zeichen. So mag man die allgemeine Entwicklung des Denkens in der Philosophie als die Umdeutung, die Neudeutung des Sinnes der Worte, wo nicht die Erfindung von neuen Worten verstehen. In der Entwicklung der Biologie, war es Linnaeus mit der systematischen Neubenennung von Tieren und Pflanzen, in der Chemie die Neubenennung und Neubeschreibung von Verbindungen der Materie. In der zeitgenössischen Physik, die "Entdeckung", Benennung und Messung der Teilchen, um die großen kosmischen Phänomene des Urknalls der Weltausdehnung, der Schwarzen Löcher unerwähnt zu lassen. In der mathematischen Physik ist aus erkenntnistheoretischer Perspektive die beständig fortsetzende Anstellung von neuen Zeichen, wie etwa von Leibniz die des Integrierens, des Differentierens, von Dirak die des Bra-Ket, von Lagrange, Hamilton, Hilbert, Feynman ... Bei der Aufzählung laufe ich Gefahr zu übersehen und auszulassen und mich einer allgemeinen Entschuldigung bedürftig zu machen. Die Namen von Tieren und Pflanzen sind an sich anschaulich sobald das Genannte erscheint. Im allgemeinen entbehren die Zeichen der Mathematik und Physik der unmittelbaren Anschaulichkeit, und diese Hervorzurufen ist die Aufgabe der Schulung, der Vorlesungen, der Beweisführungen. Ich weiß kaum wie ich es erklären soll, und bezeuge damit vielleicht mein eigenes Unwissen, die von den neuen mathematischen Zeichen erforderte Anschauung entsteht vor allem aus dem Zusammenhang in welchem sie aufgeführt werden, und bleibt deshalb, wenn ich es recht verstehe, vielseitig unbestimmt und unbestimmbar. Als die babylonischen Sprachzeichen, die Worte unbestimmbar unverständlich und unverstanden wurden, da verfiel der Turm. Ich gestehe, diese Katastrophe befiel zuerst die Unfähigsten, zu denen mich zu zählen ich mich gedemütigt fühle, indessen die Träger des babylonischen Nobelpreises fortfuhren auf des Turmes Zinnen ihren Platz zu behaupten als er schon längst nicht mehr stand.