am 20. August 2023 Liebe Gertraud, lieber Bernd, Vielen Dank für Euern Brief. Ich wünsche Euch einen angenehmen und ereignislosen Besuch in Mannheim. Schon seit Jahren empfinde ich oft die Rückkehr als den glücklichsten Teil der Reise. Das ist ein Gefühl welches mir meine heutige Gebundenheit wesentlich erleichtert. Vielen Dank auch für den Umschlag mit den Zeitungsausschnitten. Der Bericht über den Bau der Burg von Guédelon wie im Mittelalter und noch dazu mit mittelalterlichartigem Werkzeug regt mich zum Denken an über die Schauspielhaftigkeit unserer Existenzen, einbeschlossen meiner eigenen. Ich erinnere Shakespeare "All the world's a stage, And all the men and women merely players;" und aus der Kindheit, erinnere ich die Lieder von den Burgen an der Saale: An der Saale hellem Strande Stehen Burgen stolz und kühn. Ihre Dächer sind gefallen, Und der Wind streicht durch die Hallen, Wolken ziehen drüber hin. und Dort Saaleck, hier die Rudelsburg, und unten tief im Tale da rauschet zwischen Felsen durch die alte liebe Saale; Je älter ich werde, desto unerreichbarer scheinen mir, als Muster der Vergangenheit, meine Kindheit, meine Jugend, unsere Ehe, meine augenärztliche Praxis, unsere Reisen, sie alle scheinen mir unwiederbringlich, es sei denn im Traum. Ich deute den Bau der Burg von Guédelon als Nachstellung (re-enactment) entlegener Vergangenheit, und versuche diese Bemühung mit Shakespeares Dramen von den Schicksalen der englischen Könige zu vergleichen. Aus Interesse an den Schriften und an dem Erleben Goethes in seinem Alter, las ich kürzlich in Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit", über Goethes Besuche in Marienbad mit der unglücklichen Liebschaft des 74 jährigen Weltberühmten zu der 19 Jahre alten Ulrike von Levetsow, ein trauriges Erlebnis das Goethe sich erträglich machte indem er es in seiner "Marienbader Elegie" als Schauspiel vorführte. Stefan Zweig entdeckte darin eine "Sternstunde der Menschheit" und fügte sie zu den anderen Sternstunden, wie etwa Händels Genesung von einem Schlaganfall wonach er den Messias komponierte, Tolstois Flucht in den Tod aus seinem Zuhause und weg von seiner verständislosen Ehefrau, Balboas Entdeckung des Stillen Ozeans von einem Gipfel in Darien, Dostoievskis Begnadigung vom Zar unmittelbar vor der Hinrichtung, der Sieg über Napoleon bei Waterloo, ... sie alle Sternstunden der Menschheit, von denen zu erzählen sich als ein sehr bemühenswertes schriftstellerisches Unternehmen erwies, und Muster des Verpackens von Schicksal zu literarischem Erfolg. Herzliche Grüße an Euch beide. Euer Jochen 1. Strophe Dort Saaleck, hier die Rudelsburg, und unten tief im Tale da rauschet zwischen Felsen durch die alte liebe Saale; und Berge hier und Berge dort zur Rechten und zur Linken - |: die Rudelsburg, das ist ein Ort zum Schwärmen und zum Trinken. :| 2. Strophe Das wissen die Studenten auch in Jena und in Halle und trinken dort nach altem Brauch im Hof und auf dem Walle. Umringt von moosigem Gestein, wie klingen da die Lieder! |: Die Saale rauscht so freudig drein, die Berge hallen wider. :| 3. Strophe O Vaterland, wie bist du schön mit deinen Saatenfeldern, mit deinen Tälern, deinen Höhn und all den stolzen Wäldern! O Vaterland, drum wollen wir Dir unsre Lieder singen, |: zu deinem Preise sollen hier laut Herz und Becher klingen. :| 4. Strophe Wie tönet das ins Tal hinein vom Felsen hoch hernieder, - die Saale rauscht so freudig drein, die Berge hallen wider; und Berge hier und Berge dort zur Rechten und zur Linken - |: die Rudelsburg, das ist ein Ort zum Schwärmen und zum Trinken. :| 5. Strophe Was brauchen wir die Rudelsburg? Was brauchen wir die Saale? Wir haben doch den Greifenstein Im schönen Schwarzatale; und Berge hier und Berge dort zur Rechten und zur Linken; |: Der Greifenstein, das ist ein Ort zum Schwärmen und zum Trinken. :| An der Saale hellem Strande Stehen Burgen stolz und kühn. Ihre Dächer sind gefallen, Und der Wind streicht durch die Hallen, Wolken ziehen drüber hin. Zwar die Ritter sind verschwunden, Nimmer klingen Speer und Schild; Doch dem Wandersmann erscheinen In den altbemoosten Steinen Oft Gestalten zart und mild. Droben winken holde Augen, Freundlich lacht manch rother Mund. Wandrer schauet in die Ferne, Schaut in holder Augen Sterne, Herz ist heiter und gesund. Und der Wandrer zieht von dannen, Denn die Trennungsstunde ruft; Und er singet Abschiedslieder, Lebewohl tönt ihm hernieder, Tücher wehen in der Luft. As You Like It Act 2 Scene 7 All the world's a stage, And all the men and women merely players; They have their exits and their entrances, And one man in his time plays many parts,