Jan 17, 1951 Yet, still, I might be tempted to write my story that way, since you are so disturbed by my tears, and since you understand them so little and could be so easily misled by them; you think they are my weapons, that I plead with them, and by means of them convince you that I need you so much that you cannot leave me. I will admit that occasionally they have been used in that way, but that is not what they have meant most of the time. I weep because I am helpless, because I can do nothing but feel the pain. Often it seems to me that God is closest to me then, that he stands very close and watches me, hoping that I will learn to see him better soon. My tears plead with you for nothing. They are prayers for a kind of protection and a gift of understanding which you cannot give me, which no person can ever give to another. Am Meer (Heine) Das Meer erglänzte weit hinaus Im letzten Abendscheine; Wir sassen am einsamen Fischerhaus, Wir sassen stumm und alleine. Der Nebel stieg, das Wasser schwoll, Die Möwe flog hin und wieder; Aus deinen Augen liebevoll Fielen die Tränen nieder. Ich sah sie fallen auf deine Hand, Und bin aufs Knie gesunken; Ich hab’ von deiner weissen Hand Die Tränen fortgetrunken. Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib, Die Seele stirbt vor Sehnen; – Mich hat das unglücksel’ge Weib Vergiftet mit ihren Tränen. From: Bernd Strangfeld Date: Nov 21, 2023 13:57 Subject: Allerlei Lieber Jochen, So viele i nteressante Mitteilungen hast Du uns geschickt in den letzten Tagen, die kann ich gar nicht alle gebührend beantworten. Vielen Dank für die Briefwechsel, mit einem Dirigenten und einem Komponisten. Die geben uns einen Einblick in Nathaniels Welt und in einen Abschnitt aus der Deinigen. Womit anfangen? Mit Nathaniels krankem Hund - das arme, arme Tier, was muss es gelitten haben, ehe ees - also Joe dann endlich sterben durfte. Die verhandlungen mit diesen Tierärzten klingen wie eine bösartige Satire. Da haben wir hier ganz andere Erfahrungen. Einige unserer f reunde und ja auch wir mit unserer Katze Alma haben da völlig andere Erfahrungen, einfühlsame, um das Tierwohl , aber auch die Gefühle der Besitzer oder betreuer besorgte Ärzte, die zuverlässig beraten haben, wann es mit dem leben der geliebten Tiere besser zu Ende sein sollte. Und astronomische Preise gab es auch nicht. Das Ganza beinhaltet natürlich Übertragungsmöglichkeiten auf uns als alte Menschen mit Ang st vor hilflosem Siechtum. Deine befürchtungen hinsichtlich wohlmeinender Helfer, die auf jeden Fall das Leben verlängern wollen, teile ich absolut. Immerhin hast Du verwandte, die hoffentlich das Schlimmste abwehren können und würden. bernd und ich haben keinerlei verwandte und entsprechend, auch mangels Gottvertrauen, Ängste vor Ausgeliefertsein. Seit längerem beschäftigen wir uns, vorzugsweise im Winterhalbjahr, mit Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung und such nach Menschen, die für uns in unserem Sinne handeln können, wenn wir ees brauchen. Der gedanke der Sterbehilfe kam besonders bei meinem letzten Klassentreffen im Oktober in Goslar auf, als jemand einen mehrseitigen Artikel aus der Süddeutschen über ein Ehepaar mitbrachte, das Sterbehilfe durch die Gesellschaft für humanes Sterben beschrieb. Ein Kollege nahm, schon vor über 10 Jahren, den beistand der damals nur in der Schweiz agierenden organisation Dignitas in Anspruch. Deren Vorstellung haben wir uns aus dem Internet ausgedruckt, schien ganz plausibel. Und zudem brachte uns eine Freundin, Altenpflegerin, die wir vom, BUND kennen, mit einer Einrichtung von Hospiz und Sterbebegleitung, "Die Arche", in Lüdenscheid in Kontakt. So haben wirschon mehrere gespräche unter verschiedenen Aspekten erlebt, interessante, engagierte Menschen. Dein brief an den Komponisten ist ja höchst spannend. Dass Du die Kröten sogar mit einer Oper in Beziehung bringst, ist eine interesssante und erheiternde Vorstellung. Das ist nun ein weites Feld. Der diesbezügliche brief ist noch nicht ausgedruckt, damit werde ich mich ein andermal beschäftigen. Über die so sehr freundlichen reaktionen auf Nathaniels Dirigat haben wir und sehr gefreut und können uns lebhaft vorstellen, wie N. auftritt und wie sehr zugewandt er arbeitet und auftritt. Wie schön, dass er solcb motivierende Rückmeldungen bekommt. Alles Gute für iohn, wir wünschen ihm alles, alles Gute! Hier regnet es weiterhin, Bäche und Flüsse schwellen, Blätter fallen ohne Unterlass, alles Getier sucht nach einem trockenen Unterschlupf, wir haben inzwischen die 17.Waldmaus gefangen und frn von uns freigesetzt, dazu beherbergen wir - habe ich wohl schon berichtet - eine Amerikanische Kiefern-oder Zapfenwanze in einem Karton. Kürzlich haben wir ihr Kiefernnadeln beigegeben, das scheint sie belebt zu haben. Ich habe sie in den keller gebracht, da ist die kühlere Schlaftemperatur. Lieber Jochen, wir wünschen Dir weiter so viel belebende Freude an Nathaniel und Deinen literarischen projekten und grüßen Dich von Herzen, Deine Gertraud und Bernd. -------- Forwarded Message -------- Subject: Trauer etc. Date: Thu, 23 Nov 2023 11:35:26 +0100 From: Bernd Strangfeld To: Ernstmeyer Lieber Jochen, es gibt noch einiges nachzutragen zu meinem letzten Brief. Ich habe Dir vor 10 Tagen einige zeitungsartikel und wohl auch Prospekte geschickt, dabei eine ganzseitige Aufstellung von Traueranzeigen. Ich lese diese Texte oft, weil mich die Wortumkleidungen von trauer und Schmerz interssieren, literarisch sozusagen. An dem Wochenende fand ich die texte besonders und dachte, sie würden vielleicht auch Dich interessieren.Sie sollten aber keinesfalls eine Einladung für Dich zum Sterben sein, mnatürlich nicht. Bernd hat mich schwer getadelt, als er von meiner Tat erfuhr. Du mögest bitte verzeihen, falls Du irgendeinen Aufforderungscharakter in ihnen entdeckt hast! Deine Überlegungen zur Einstellung von Pflegepersonal sind mir sehr vertraut. In anderen Ländern geht man auf sehr verschiedene Weise mit pflegebedürftigen Angehörigen um, von innigem Aufnehmen in die Familie bis zur Unterbringung in Alters-oder Pflegeheimen. In Deutschland, habe ich irgendwo gelesen, werden 80% der bedürftigen Menschen zu Hause , meist von Angehörigen, gepflegt, während in Dänemark das Pflegeheim eine Sebstverständlichkeit ist. Unsere dänische freundin Bente, die vier Kinder allein und sehr liebe-und verständnisvoll großgezogen hat, war doch sehr entsetzt, als ihre Schwiegertochter ganz selbstverständlich und entschieden feststellte, wenn sie dies und das nicht mehr könne, müsse sie natürlich ins Pflegeheim. Bente hatte wohl unterschwellig trotz anderer in ihrem Land üblicher Gepflogenheiten gehofft, sie wüde bei hren Kindern Aufnahme finden. Jetzt ist sie, weil sie treppen nicht mehr schafft und anderes auch nicht mehr, in eine Art betreutes Wohnen umgezogen, wo sie sich wohlfühlt, zum Glück. Ich kann mir bis heute nicht verzeihen, dass wir, also vor allem ich, meine Mutter nicht zu uns genommen haben, sondern sie in einem Alters-und Pflegeheim in Goslar haben unterbringen lassen.Jeden einzelnen Tag ringe ich mit meinen Schuldgefühlen. Das alles ist eine längere Geschichte, voller ratloser, angstvoller, verzweifelter Überlegungen. Meine Schwester war todkrank, wir hatten hier im Haus alles vorbereitet für den Einzug meiner Mutter, der Umzugswagen stand bereit, der erste Besuch einer Pflegerin auch, und ich telefonierte am Vormittag, 2 Stunden vor Abfahrt, mit der Nachbarin, die sagte, meine Mutter würde lieber in ihrer Goslarer Wohnung bleiben. Ich muss sagen, dass mich das erleichterte, schnell sagten wir alles ab, und meine Mutter blieb in ihrer Wohnug. Sann aber starb meine Schwester, meine Mutter brach zusammen, musste ins krankenhaus, sie litt sehr an schlimmer Diabetes eins, es war deutlich, dass sie nicht mehr selbständig würde leben können, der Hausarzt benachrichtigte und, dass in einem Alrtenheim (hübsch gelegen) ein Platz freigeworden sei, und wir baten ihn, dafür zu sorgen, dass meine Mutter dorthin gebracht würde. Ich habe mich nie getraut, ihr das zu erklären. Und eben diese meine (Bernd ist immer meinen großen Entscheidungen, gleich welcher Art, gefolgt) Entscheidung verfolgt und plagt mich sehther, 27 Jahre, täglich. Ich weiß aber, dass ich in meiner damaligen verfassung große Schwierigkeiten gehabt hätte, mich angemessen um meine Mutter zu kümmern. Du beschreibst sehr zutreffend, dass natürlich Pflegemenschen sich auf jeden Fall um das leben der ihnen Anvertrauten bemühen müssen, dass sie ihren Gelübden folgen müssen. Das ist ein weites feld, jedenfalls verstehe ich vollkommen, dass Du Dir die Entscheidung über Dein leben und Sterben vorbehalten möchtest. Das möchten übrigens fast alle unserer freunde, mit denen, wir sind alle gleich alt, dieses Thema immer wieder auftaucht. Bernd und ich haben bisher Glück gehabt, noch müssen wir uns mit keinem ernsthaften Dauerleiden herumschlagen. Aber es kann uns ja jederzeit blitzschnell der Schlag treffen und uns dann durch Überlebenlassen schwer verärgern. So, nun ist aber gut! Hier ist heute ein klassischer Novembertrag. Ach ja, gstern Abend habe ich auf 3Sat eine Doku über den Mord an J.F.kennedy gesehen. Ungeheuer, was die Geheimdienste für eine Macht hatten und vermutlich noch haben, der reinste Alptraum. Und ich erinnere mich lebhaft an die ungeheure Aufbruchsstimmung, die kennedy damals verbreitet hatte mit seinen klaren Zielen und seiner Überzeugungskraft. Alles vorbei. Seit 5 Tagen keine Maus gefangen. Vielleicht hat es sich herumgesprochen, dass ein Aufenthalt in unserem Hause nur von kurzer Dauer ist. Ein Eichekhäher versucht sich an einem für viel kleinere Vögel gedachten Futterspender. Rosen blühen noch, aber für demnächst wurde uns Schnee angekündigt. Ich glaubs noch nicht. Viel Erfolg mit allen musikalischen Projekten! Deine Gertaud und Bernd.